Video-Tour: Diese 9 Unis in Boston muss man kennen!

Boston ist die US-Studentenmetropole schlechthin. Nirgendwo sonst gibt es eine solche Dichte an exzellenten Colleges und Universitäten: Mehr als 50 sind es, wenn man nicht nur Boston selbst, sondern die gesamte Region betrachtet. Und doch hat man im Ausland oft nur von Harvard und MIT gehört – dabei hat die Region so viel mehr zu bieten! Im Juli 2016 habe ich gemeinsam mit anderen Studienberatern aus aller Welt neun herausragende und höchst unterschiedliche Hochschulen in Boston besucht. Meine Kamera war immer dabei, und so freue ich mich, jetzt den Film THE BOSTON COLLEGE TOUR: 9 UNIVERSITIES IN 9 MINUTES zu präsentieren – ein Kurztrip durch die vielfältige Hochschullandschaft der Stadt, der hoffentlich Lust auf mehr macht. Für Fragen und Beratung zum Studium in Boston stehe ich natürlich gern zur Verfügung. Viel Spaß!

Im Video sind zu sehen (in dieser Reihenfolge): Suffolk University ++ Emerson College ++ Boston University ++ Tufts University ++ Wellesley College ++ Babson College ++ Bentley University ++ Brandeis University ++ Northeastern University. Mehr Informationen zu diesen Hochschulen auf www.consultUS.org/study-in-boston.

Bewerbung und Zulassung an Harvard: Worauf es ankommt

Kürzlich war ich auf einer Campusreise in Boston und habe bei der Gelegenheit auch mal wieder an der Harvard University vorbeigeschaut. Und der kleine Abstecher hat sich gelohnt! Im historischen Sanders Theater lief eine Informationsveranstaltung für Studieninteressierte. Es war Samstag vormittag, und das Auditorium war voll besetzt mit Schülern, Eltern und anderen Besuchern. Auf der Bühne: keine langweilige, zig-mal gehörte Powerpoint-Präsentation, sondern ein lebendiges Gespräch zwischen einem Repräsentanten der Universität und zwei aktuellen Studentinnen zu verschiedenen Aspekten des Studiums an Harvard. Sehr persönlich, sehr dem Publikum zugewandt. Da habe ich an anderen US-Eliteunis schon ganz anderes erlebt.

„Objektive Qualifikationen spielen für die Zulassung letztlich keine Rolle“

Das Beste kam jedoch zum Schluss. Nachdem die beiden Studentinnen die Bühne verlassen hatten, hielt der Harvard-Repräsentant eine knapp 15-minütige Rede, in der er erläuterte, nach welchen Kriterien und Verfahren die Zulassungsentscheidungen zum Bachelorstudium an Harvard getroffen werden. Nichts grundlegend Neues, aber selten habe ich das Verfahren der „highly selective college admissions“ so anschaulich und eindringlich beschrieben gehört. Ein exzellenter Vortrag, der mir und den anwesenden Kollegen aus dem Herzen sprach, denn genau diese Punkte sind es, die wir den Schülern in der Studienberatung zu vermitteln versuchen. Und wenn es „straight from the horse’s mouth“ kommt, ist es natürlich noch einmal überzeugender.

Für alle, die an Harvard und ähnlich renommierten Universitäten studieren möchten und nicht dabei sein konnten, habe ich den Vortrag mit meiner Kamera festgehalten. In den ersten Minuten ist das Bild noch etwas wackelig, weil der junge Mann vor mir sich nicht entscheiden konnte, ob er seine Basecap auf- oder absetzen wollte. Auch der Ton ist trotz Mikrofon nicht immer klar verständlich; deshalb habe ich den Vortrag sicherheitshalber untertitelt. Was hier über die Zulassung an Harvard gesagt wird, gilt so oder so ähnlich  auch für andere US-Hochschulen, an denen nur ein Bruchteil der Bewerber zugelassen wird.

Ob das Ganze „fair“ ist – wie im Vortrag behauptet – sei mal dahingestellt. Nicht erwähnt wird nämlich, dass die Kinder von Ehemaligen (sogenannte „legacy students“) deutlich höhere Chancen auf Zulassung haben und die Eliteunis hier auch gerne ein Auge zudrücken bei den Kriterien. An Harvard bestehen rund 12-13 Prozent eines Jahrgangs aus „legacies“. Ihre Zulassungsquote liegt bei rund 30 Prozent und ist damit rund sechsmal so hoch wie für normale Bewerber. Auch für leistungsstarke Sportler werden die Kriterien häufig etwas aufgeweicht, denn die Eliteunis wollen natürlich auch ihre Sportmannschaften siegen sehen. (Nachzulesen in The Price of Admission: How America’s Ruling Class Buys Its Way into Elite Colleges–and Who Gets Left Outside the Gates vom Wall Street Journal-Reporter und Harvard-Absolventen Daniel Golden.)

Kurz vorgestellt: Princeton University

Princeton

Unter den „Großen Drei“ der amerikanischen Ivy League Universitäten (Harvard-Yale-Princeton) ist die Princeton University in Princeton (New Jersey) mit nur rund 7.500 Studierenden (davon 5.000 im Bachelorstudium) die kleinste. Damit besetzt die Hochschule unter den Super-Eliteuniversitäten der USA eine besondere Nische. Denn einerseits handelt es sich um eine führende Forschungsuniversität mit zahlreichen Spitzenforschern auf allen Gebieten, andererseits haben diese Star-Professoren  aufgrund der relativ geringen Zahl an Masterstudierenden und Doktoranden die Möglichkeit, einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit den Bachelorstudierenden zu widmen. Das bedeutet: eine intensive Betreuung und viele Möglichkeiten für anspruchsvolle eigene Studienvorhaben unter Anleitung eines Hochschullehrers. Auch in punkto Location hebt sich Princeton von der Konkurrenz ab: Während Harvard Teil der Ostküstenmetropole Boston ist und New Haven (Yale) noch immer zu den US-Städten mit der höchsten Kriminalitätsrate zählt, ist das Städtchen Princeton (ca. 25.000 Einwohner) klein, wohlhabend und weitgehend sicher.

Der beeindruckende Campus der Universität erinnert mit seiner überwiegend neugotischen Architektur an Oxford, Cambridge und Harry Potter. (Eine virtuelle Tour mit vielen Fotos gibt es hier.) Besonders ins Auge stechen die riesige, reich verzierte Universitätskirche und der Cleveland Tower, der sich majestätisch über die Baumwipfel erhebt. Andere Gebäude wie die mehr als 250 Jahre alte Nassau Hall sind im Kolonialstil gehalten, während einige moderne Einrichtungen von führenden Architekten wie Robert Venturi und IM Pei entworfen wurden. Insgesamt aber sieht Princeton haargenau so aus, wie man sich eine Ivy League Universität vorstellt. Noch immer hält sich übrigens hartnäckig die (widerlegte) Legende, dass der Begriff „Ivy League“, der sich eigentlich nur auf die Mitgliedschaft in einer Sportliga bezieht, seinen Ursprung in den Efeuranken an den Mauern von Nassau Hall hat. Das Ganze wirkt sehr gediegen und exklusiv, und obwohl Geld bei der Zulassung keine Rolle spielt, hängt Princeton nachhaltig der Ruf an, eine Bastion des privilegierten Neuengländer Geldadels zu sein. Tatsächlich ist die sozioökonomische Mischung der Studentenschaft aber kaum anders als an den anderen Ivy League Hochschulen.

Unterschied zu Harvard und Yale: Fokus auf das Bachelorstudium

West_College_PrincetonWas Princeton von den anderen Ivy League-Institutionen unterscheidet, ist vor allem der starke Fokus auf das vierjährige Bachelorstudium. Für eine Forschungsuniversität bietet Princeton den Bachelorstudenten einen ungewöhnlich engen Kontakt zu den Professoren. Selbst die Einführungsvorlesungen werden nicht, wie oft an größeren Einrichtungen, von wissenschaftlichen Assistenten und Doktoranden gehalten, sondern fast immer von den berühmten Professoren höchstpersönlich. Das Freshman Seminar Program, an dem rund zwei Drittel aller Studienanfänger teilnehmen, bietet weitere Möglichkeiten, gleich zu Beginn des Studiums einen engen Kontakt zum Lehrpersonal aufzubauen. Bei diesem Programm können sich die Studierenden in kleinen Gruppen in eines von mehr als 60 Themen vertiefen und dabei das Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens lernen.

Alle Bachelorstudierenden müssen zudem unabhängig von ihrem Hauptfach eine Art Studium Generale absolvieren, zu dem unter anderem Kurse in Erkenntnistheorie, Ethik, Literatur, Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaft gehören. Das ist an den meisten US-Universitäten so. Wer an Princeton studiert, muss allerdings im dritten Studienjahr zusätzlich zum normalen Kurspensum noch zwei längere eigenständige Arbeiten zu je 30 Seiten verfassen. Außerdem ist Princeton eine der wenigen US-Universitäten, an denen die Bachelorstudierenden im letzten Studienjahr eine lange Abschlussarbeit („senior thesis“) erstellen müssen, die einer Masterarbeit in Deutschland in nichts nachsteht. Viele Absolventen sagen, die Arbeit an ihrer „senior thesis“ sei eine ihrer besten Erfahrungen an Princeton gewesen. Aus all dem dürfte deutlich werden, dass das Niveau hier höchst anspruchsvoll ist, und die Bestnote „A“ ist bedeutend schwieriger zu bekommen als an anderen Elitehochschulen, wo oftmals noch immer die berüchtigte „grade inflation“ vorherrscht.

Natürlich bringt die überschaubare Größe der Universität auch einige Nachteile mit sich, denn die Auswahl an Kursen ist dadurch kleiner als an größeren Einrichtungen. Aber ein Mangel an Masse bedeutet keineswegs einen Mangel an Klasse. Bei den Studiengängen gehören Mathematik, Philosophie, Anglistik, Physik, VWL, Molekularbiologie, Verwaltungswissenschaft und Romanistik zum Besten, was die USA zu bieten haben. Auch die Ingenieurwissenschaften sind stark vertreten. Eine der bekanntesten Einrichtungen ist  die renommierte politikwissenschaftliche Woodrow Wilson School of Public and International Affairs, benannt nach dem ehemaligen US-Präsidenten, Friedensnobelpreisträger und Princeton-Absolventen Woodrow Wilson.

Studentenleben: Gemeinsames Wohnen und exklusive Clubs

Whitman_College_PrincetonDie Mehrheit der Princeton-Studierenden ist eher konservativ-traditionell eingestellt, und wer einen politisch aktiven Campus sucht, sollte sich andernorts umsehen. Um die sozialen Kontakte der Studierenden untereinander zu verbessern, hat die Hochschule kürzlich ihre Wohnheime zu sogenannten Residential Colleges gruppiert (Foto rechts: Whitman College), in denen die Studierenden in den ersten beiden Jahren gemeinsam wohnen, essen und Aktivitäten nachgehen. Die Studierenden im dritten und vierten Studienjahr hingegen sind häufig Mitglied in sogenannten Eating Clubs, die Studentenverbindungen ähneln und einen Großteil des Soziallebens auf sich vereinen. Ähnlich wie bei den fraternities/sororities handelt es sich dabei um Bastionen des Traditionalismus, zu denen der Zugang entweder per Losentscheid oder Auswahlverfahren vergeben wird.  Die beiden ältesten Eating Clubs – der Ivy Club und der Tiger Inn – wurden erst 1991 gerichtlich dazu gezwungen, auch Frauen aufzunehmen. Mit Mitgliedsgebühren von rund $5.000 pro Jahr ist der Ivy Club auch die teuerste Verbindung. Die Spaltung, die diese exklusiven Cliquen in die Princeton-Studierendenschaft bringen, soll durch die anhaltende Anbindung an die „Residential Colleges“ vermindert werden. Vereint sind außerdem alle in der Begeisterung für den Princeton den Sport und die Spiele der „Tigers“ (insbesondere Football und Basketball).

Bewerbung und Zulassung an Princeton

Genau wie an den anderen renommierten US-Universitäten herrscht um die Zulassung an Princeton extreme Konkurrenz. In diesem Jahr (2016) wurden von rund 29.000 Bewerbern nur knapp 1.900 zugelassen; das entspricht einer Quote von 6,5 Prozent – ein neuer (Minus-)Rekord. Zur Bewerbung gehören neben den schulischen Leistungen seit einschließlich Klasse 9 auch Ergebnisse aus den Eignungstests SAT oder ACT sowie zwei SAT Subject Tests. Dass die Schulnoten absolut top sein müssen, versteht sich von selbst – rund die Hälfte der angenommenen Bewerber hatte die Bestnote 1,0 (bzw. 4,0 im US-Notensystem).

Aber Top-Noten und Spitzenwerte in den Tests sind nicht alles, denn das können fast alle Bewerber vorweisen. Für eine erfolgreiche Zulassung kommt es darauf an, der Universität zu zeigen, was einen darüber hinaus auszeichnet. Auf der Webseite heißt es:

We look for students who make a difference in their schools and communities, so tell us about your leadership activities, interests, special skills and other extracurricular involvements. Tell us if you’ve had a job or a responsibility in your home. Most Princeton students were academic standouts in high school. Most of them also invested their energy and talents in significant ways outside the classroom. We want to know what you care about, what commitments you have made and what you’ve done to act on those commitments.

Kurz gesagt: Ein 1,0-Abitur und dreimal die Woche Sport genügen nicht. Princeton sucht Schüler, die für eine oder mehrere Sachen brennen, rausgehen und etwas auf die Beine stellen. Außerdem kommt es natürlich darauf an, die eigene Persönlichkeit durch einprägsame Essays in bestem Licht zu präsentieren. Hier ein aktuelles Beispiel für einen erfolgreichen Ivy-League-Essay.

Geld spielt keine Rolle: Kosten und Stipendien

Firestone_Library_PrincetonDie Kosten eines Studiums an Princeton betragen zurzeit insgesamt rund $64.000 pro Jahr, inklusive Studiengebühren, Unterkunft und Verpflegung. Natürlich zahlen bei weitem nicht alle Studierenden diese hohe Summe, sondern nur diejenigen, die es sich leisten können. Alle anderen (rund zwei Drittel) erhalten zum Teil erhebliche Finanzbeihilfen von der Universität und/oder der US-Regierung. Für die Zulassung spielt die Zahlungsfähigkeit überhaupt keine Rolle, denn Princeton arbeitet nach dem Prinzip der „need-blind admission“: Die Zulassungsentscheidung wird ohne Ansehen der finanziellen Möglichkeiten der Bewerber getroffen. Stellt sich dann heraus, dass ein angenommener Bewerber das Studium nicht aus eigener Tasche bezahlen kann, zahlt die Universität die Differenz zwischen dem, was die selbst aufbringen kann, und den Gesamtkosten – bis hin zum Vollstipendium. Und es kommt noch besser: Princeton ist eine von zurzeit nur fünf US-Universitäten, die diese Praxis auch auf ausländische Bewerber anwenden! Hier gilt also tatsächlich, dass ein USA-Studium am Geld nicht scheitern muss. Die eigentliche Hürde besteht freilich darin, überhaupt zu den auserwählten 6 Prozent zu gehören, die eine Zusage erhalten.

Weitere Beiträge in der Reihe „Kurz vorgestellt“: Video-Tour: Diese 9 Unis in Boston muss mann kennen! Columbia University, Stanford University

Fotos: (c) Pete Spiro / Shutterstock.com, Wikipedia

Study World-Messe: 16 US-Unis in Berlin

Study World Berlin

Zum elften Mal steigt am kommenden Wochenende (22.-23. April 2016) die Study World-Messe in Berlin: Deutschlands größte internationale Messe für Studium und Karriere im In- und Ausland. Wie immer eine hervorragende Gelegenheit, aus erster Hand Informationen zu Bachelor- und Masterstudiengängen, internationalen Studienprogrammen, Weiterbildungsangeboten, Auslandspraktika und Finanzierungsmöglichkeiten zu bekommen. Trotz umfangreicher Informationen im Internet: Es geht doch nichts über ein persönliches Gespräch.

Für alle, die sich für ein Studium in den USA interessieren, lohnt sich ein Besuch der Study World in diesem Jahr besonders, denn „Education USA“ (der Beratungsdienst des US-Außenministeriums) tourt derzeit mit mehr als einem Dutzend US-Hochschulen durch Deutschland und hat auf der Messe einen eigenen Pavillon, in dem sich alle Unis vorstellen. Abgesehen von der New York University, der University of Southern California und der UC Irvine sind zwar keine ganz großen Namen dabei, aber gerade bei den nicht so bekannten Adressen gibt es oft viel zu entdecken – und die Zulassungschancen sind bedeutend besser. Folgende US-Hochschulen sind vertreten:

  • Arizona State University
  • Berkeley College (New York)
  • California Polytechnic State University
  • California State – San Jose State University
  • California State University, East Bay
  • Fairleigh Dickinson University (New Jersey)
  • Foothill-DeAnza Community College (Kalifornien)
  • New York University Abu Dhabi
  • Portland State University
  • Richmond The American International University in London
  • Santa Barbara City College
  • Schiller International University (Heidelberg)
  • Truman State University (Missouri)
  • University of California, Irvine
  • University of North Carolina Wilmington
  • University of Southern California – Viterbi School of Engineerung

Wer es nicht zur Study World nach Berlin schafft, kann diese und einige weitere Hochschulen auch noch in Heidelberg (20. April) und Hamburg (25. April) persönlich kennenlernen. Näheres hier.

Ach so, und nicht zu vergessen: Ich selbst bin auch wieder mit zwei Vorträgen dabei:

  • Freitag, 22. April, 13:00-13:45 Uhr: Das „personal statement“ – Überzeugende Motivationsschreiben für die Bewerbung an englischsprachigen Hochschulen verfassen
  • Samstag, 23. April, 14:00-14:45 Uhr: Studieren in den USA: Sprach- und Eignungstests für die Bewerbung an amerikanischen Hochschulen

Vielleicht sieht man sich!

Foto (c) ICWE GmbH

In New York studieren: Colleges und Universitäten jenseits von Manhattan

Upstate New York

Die Aussicht ist spektakulär. New York in voller Pracht. Kilometerweit geht der Blick; wie von einem Flugzeug aus betrachtet entfaltet sich das atemberaubende Panorama. Doch dies ist kein Wolkenkratzer in Manhattan, und zu sehen ist nicht das hektische Treiben der Stadt, die niemals schläft. Stattdessen sanfte, satt-grüne Hügel, soweit das Auge reicht. Dazwischen der Cayuga Lake, blau und klar wie ein schwedischer Bergsee und umgeben von dichten Wäldern, turmhohen Wasserfällen und zahlreichen Schluchten.

Wir sind in der Finger-Lakes-Region im US-Staat New York, rund 250 Kilometer nördlich von New York City, im 14. Stock des East Tower, einem Wohnheim auf dem Campus des Ithaca College. Hier oben in der TC Lounge gibt es Wraps mit Hummus und Taboulé, fair gehandelten Kaffee und Kakao, gemütliche Sessel zum konzentrierten Arbeiten und jeden Mittwochabend die Open Mike Night für Campus-Künstler. Im Hintergrund leuchten dazu die Lichter von Ithaca, einem Studentenstädtchen par excellence, voller Cafés, Kneipen, Restaurants, Bioläden, Museen und kultureller Aktivitäten. Mit einer Gruppe von Studienberatern bin ich eine Woche lang in New York unterwegs, um mir ein persönliches Bild von den Hochschulen im „Empire State“ zu machen.

Dass hier trotz der ländlichen Umgebung nicht der Hund begraben ist, hat seinen Grund. Denn Ithaca ist nicht nur die Heimat des mit 7.000 Studierenden relativ kleinen Ithaca College, sondern auch Standort der weltberühmten Cornell University. Während die Ivy-League-Hochschule ihren Ruf hauptsächlich ihren exzellenten Forschungsleistungen verdankt, punktet Ithaca College mit einer hervorragenden Bachelorausbildung, zum Beispiel im Bereich Publizistik und Kommunikationswissenschaft. So wird die wohl beste Studentenzeitung der USA nicht an Harvard oder Stanford gemacht, sondern hier: The Ithacan, mehrfach preisgekrönt und Sprungbrett für zahlreiche Karrieren in den US-Medien.

Klein aber fein: Liberal Arts Colleges

„Upstate New York“, wie die Amerikaner das Gebiet nördlich von New York City nennen, ist reich an erstklassigen Hochschulen. Da sind zum einen die vielen „Liberal Arts Colleges“: zumeist kleine, private Hochschulen, die sich ganz auf die Bachelorausbildung konzentrieren und dabei einen breiten interdisziplinären Ansatz verfolgen, der die umfassende Förderung des Wissens in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften zum Ziel hat. Sie bieten ein anspruchsvolles Studium, kleine Kursgrößen, engagierte Professoren, traumhafte Betreuungsverhältnisse und eine intensive Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem Campus. Oft liegen sie allerdings auch ziemlich weit ab vom Schuss.

Colgate UniversityParadebeispiele für diesen Hochschultyp sind das Hamilton College (ca. 1.900 Studierende) in Clinton, New York, und nur eine halbe Stunde entfernt die Colgate University (ca. 2.800 Studierende, Foto links), verwirrenderweise in einem Örtchen namens Hamilton gelegen und trotz der Bezeichnung „Universität“ ein mustergültiges Liberal Arts College (und ja, benannt nach dem Zahnpasta-Mogul William Colgate). Beide Hochschulen beeindrucken mit einem Bilderbuch-Campus aus braun-grauem Sandstein, sind anmutig auf Hügeln gelegen und umgeben von sattem Grün. Fast alle Studierenden und Professoren leben auf dem Hochschulgelände oder in der unmittelbaren Umgebung. Dadurch entsteht eine enge Gemeinschaft, die nach dem Studium ihre Fortsetzung in starken Ehemaligen-Netzwerken findet.

Vom Fächerangebot her praktizieren beide Hochschulen die Liberal Arts-Philosophie in Reinform. Berufsorientierte Fächer wie BWL, Jura oder Ingenieurwesen sucht man vergebens; stattdessen können die Studierenden frei aus der Palette der Geistes, Sozial- und Naturwissenschaften wählen, verschiedene Richtungen ausprobieren und Kurse flexibel kombinieren. An Hamilton wurden vor ein paar Jahren sogar alle Pflichtkurse abgeschafft; mit dem „open curriculum“ können sich die Studierenden nun querbeet, ganz nach ihren individuellen Interessen und interdisziplinär bilden. Studieren in der Provinz bedeutet folglich nicht Provinzialität im Denken: „Wir sind hier an diesem wunderschönen Ort“, sagt Douglas Hicks, der an Colgate die Zulassung zum Bachelorstudium leitet, „aber wir sind uns der Welt um uns herum sehr bewusst.“ Rund zwei Drittel der Colgate-Studierenden verbringen einen Teil ihres Studiums im Ausland. Ein Spitzenwert, nicht nur für US-Verhältnisse.

Studiengänge für Querdenker und Individualisten

UnionDennoch: Das Studium in ländlicher Isolation ist nicht jedermanns Sache. Wer etwas mehr Abwechslung möchte, ohne auf die Liberal Arts-Erfahrung verzichten zu müssen, wird vielleicht am Union College in Schenectady unweit der Landeshauptstadt Albany fündig. Union unterscheidet sich insofern von den meisten anderen Liberal Arts Colleges, als man hier auch Maschinenbau, Elektrotechnik oder Technische Informatik studieren kann. So ergeben sich ungewöhnliche und in Deutschland undenkbare Fächerkombinationen wie Physik und Musik. Blickfang auf dem 1813 vom französischen Landschaftsarchitekten Joseph Jacques Ramée gestalteten Campus ist das denkmalgeschützte, 16-seitige Nott Memorial (Foto), das heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt wird.

Eine weitere attraktive Option für kreativ-künstlerisch veranlagte Köpfe mit unkonventionellen Ideen ist das Skidmore College in Saratoga Springs, einem historischen Kurort mit berühmter Pferderennbahn, dessen Einwohnerzahl sich während der Rennsaison verdreifacht – geballtes Nachtleben inklusive. Auch Skidmore bietet Fächer, die sich an Hochschulen dieser Art sonst eher selten finden, darunter BWL, Erziehungswissenschaft oder Soziale Arbeit. Aber auch die Naturwissenschaften und die Künste sind stark vertreten: Mit dem Arthur Zankel Music Center verfügt die Hochschule über einen brandneuen Konzertsaal, dessen fantastische Akustik das Herz jedes Musikliebhabers höher schlagen lässt.

Universitäten und technische Hochschulen

Rensselaer Polytechnic InstituteBrillante Klänge sind auch am Rensselaer Polytechnic Institute (RPI) zu hören, einer der führenden technischen Universitäten der USA. Das Gebäude des neuen „Experimental Media and Performing Arts Center“ passt sich automatisch der musikalischen Darbietung und den verwendeten Instrumenten an – ein Meisterstück der Ingenieurskunst. Die ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengänge sind denn auch das Hauptzugpferd dieser mittelgroßen Hochschule in Troy (nahe Albany). Aber auch die Wirtschaftswissenschaften sind mit der Lally School of Business stark vertreten. Viele RPI-Studierende kombinieren ihre Ingenieursausbildung mit Kursen aus der BWL und machen so faktisch einen Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen – ein Studienfach, das es in der Form in den USA nicht gibt.

Auch Rochester, die drittgrößte Stadt New Yorks, kann mit einer hervorragenden technischen Universität aufwarten: Das Rochester Institute of Technology (RIT) ist mit rund 18.000 Studierenden mehr als doppelt so groß wie das RPI und auch als „the city of brick“ bekannt, denn der gesamte weitläufige Campus ist aus rund 15 Millionen, eigens dafür hergestellten Ziegeln erbaut. Neben seiner modernen technischen Ausstattung besticht das RIT vor allem durch ein praxisnahes Bachelorstudium: Wie kaum eine andere US-Universität vermittelt RIT den Studierenden jährlich Tausende an größtenteils bezahlten Praktika, die auf das Studium angerechnet werden.

EastmanEbenfalls in Rochester zuhause: die University of Rochester, eine große private Forschungs-universität mit rund 10.000 Studierenden. Genau wie am Hamilton College wurden hier vor einigen Jahren alle Pflichtveranstaltungen im Bachelorstudium abgeschafft. Die Uni ist somit besonders attraktiv für eigenständige Studierende, die von intellektueller Neugier getrieben sind und sich für mehrere Fächer gleich stark interessieren. „Bei uns kann man ein Fach für sich selber und eins für die Eltern studieren“,  scherzt Jonathan Burdick, der an der University of Rochester die Zulassung zum Bachelorstudium leitet. Ein weiteres Juwel der Hochschule ist die Eastman School of Music (Foto), eines der besten Konservatorien der USA.

Flexibilität und Wahlmöglichkeiten bestimmen auch das Bachelorstudium an der Syracuse University in der gleichnamigen Stadt mitten im Staat New York. „Die Studierenden wechseln in den ersten Jahren oft mehrfach zwischen den verschiedenen Fakultäten hin und her, bevor sie sich auf ein oder zwei Hauptfächer festlegen“, erzählt Karen Bass, die für die Zulassung ausländischer Bewerber zuständig ist. Ihre besonderen Stärken hat die Universität unter anderem in der BWL (insbesondere im Bereich Entrepreneurship), der Publizistik und der Informationswissenschaft: Wer sich für Informationsmanagement, digitale Kommunikation und das Web 2.0 interessiert, findet mit der iSchool in Syracuse eine der weltweit besten Adressen.

Stipendien für ausländische Studierende

StudienfinanzierungAbiturienten aus Deutschland mit ordentlichen Noten haben gute Zulassungschancen bei allen genannten Hochschulen. Ein größere Schwierigkeit dürfte die Finanzierung darstellen, denn mit Studienkosten von rund 60.000 Dollar pro Jahr ist ein Bachelorstudium in Upstate New York – und in den USA allgemein – für die wenigsten bezahlbar.  Fast alle genannten Hochschulen bieten jedoch Stipendien und finanzielle Unterstützung an. Insbesondere die kleinen Liberal Arts Colleges vergeben im Falle einer erfolgreichen Zulassung Stipendien, die die Differenz zwischen dem, was das Studium kostet und was man aus eigener Tasche bezahlen kann, abdecken. Das kann bis hin zum Vollstipendium reichen. Allerdings ist klar, dass dafür neben sehr guten Schulnoten auch Top-Ergebnisse bei den Zulassungstests, überzeugende Empfehlungsschreiben von Lehrern und ein insgesamt attraktives Bewerbungsprofil nötig sind.

Zurück in der Finger-Lakes-Region sind wir inzwischen in Geneva (zu deutsch: Genf) angekommen, aber vor uns liegt nicht der Genfer See, sondern Seneca Lake, der größte der Finger Lakes. Direkt am Ufer liegt das kleine Hobart & William Smith College – eigentlich zwei Colleges in einem (Hobart für die Männer, William Smith für die Frauen), die sich aber bis auf ein paar Verwaltungsfunktionen alles teilen. Die Geschlechter lernen und leben gemeinsam. Auch hier wird interdisziplinäres Lernen und eine breite Bildung großgeschrieben. Statt ein vorgegebenes Kursprogramm zu absolvieren, wählen die Studierenden individuell ihre Kurse so, dass sie am Ende insgesamt acht allgemeine Lernziele erreichen, darunter die Entwicklung effektiver Kommunikationskompetenzen. Außerdem findet sich auf dem hübschen, aber unspektakulären Campus wider Erwarten auch eine der besten Architekturfakultäten der USA.

New York steckt eben voller Überraschungen, auch nördlich von Manhattan.

Dieser Artikel erschien zuerst im Oktober 2013 auf der Go out!-Webseite des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Alle Fotos: (c) Carsten Bösel

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Summer School mit US-Schülern in Deutschland

Sogenannte „Pre-College Programs“ sind in den USA eine beliebte Möglichkeit, bereits als Schüler/in ein bisschen Universitätsluft zu schnuppern und einige Kurse bei Uni-Professoren zu belegen. Diese Angebote dauern meist 3-4 Wochen und finden während der Sommermonate statt, inklusive Campus-Unterbringung und Freizeitprogramm. Auch Schülern aus dem Ausland steht die Teilnahme offen, aber vielen dürfte die Reise zu weit sein.

Im Juli 2016 gibt es nun mit der neuen GGE Summer School erstmals die Möglichkeit, ein solches Pre-College Program gemeinsam mit amerikanischen Schülern hier in Deutschland zu belegen, genauer gesagt in der schönen Universitätsstadt Greifswald. Das vierwöchige Angebot richtet sich zwar hauptsächlich an US-High School Schüler der 9. bis 12. Klasse, die auf diese Weise internationale Erfahrung sammeln können, aber auch deutsche Teilnehmer sind herzlich willkommen. Sie haben so die Möglichkeit, amerikanische College-Kurse zu belegen und Kontakte mit Amerikanern zu knüpfen, ohne dafür extra in die USA reisen zu müssen.

Angeboten werden verschiedene Kurse (u.a. von Professoren der renommierten Georgetown University oder des Wellesley College), ein „College Admissions Bootcamp“, kulturelle Veranstaltungen, Gastredner-Events, verschiedenste Sportaktivitäten und ein 3-Tage-Trip nach Berlin. Geleitet wird die GGE Summer School von Prof. Dr. Michelle Facos, einer US-Professorin für Kunstgeschichte an der Indiana University (Bloomington) und ehemaligen Gastprofessorin der Universität Greifswald. Die Idee dazu hatte übrigens Felix Backhaus, den ich vor einiger Zeit bei seiner erfolgreichen Bewerbung an der Georgetown University unterstützen durfte. Insofern ist es mir ein besonderes Vergnügen, hier auf dieses spannende Angebot hinzuweisen.

Warum ich? Überzeugende Personal Statements für eine Master-Bewerbung in den USA schreiben

Personal Statement

Entweder mache ich mir Sorgen oder was zu essen. … Heute ist Mama gestorben. Vielleicht auch gestern, ich weiß es nicht. … Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.

Raffinierte Romananfänge wie diese machen neugierig auf mehr und sorgen dafür, dass ein Text im Gedächtnis bleibt. Ein schlechter Einstieg dagegen ist nicht so leicht wieder auszubügeln. Was für gute Literatur gilt, lässt sich auch auf ein Dokument übertragen, das an vielen Hochschulen in Nordamerika und andernorts fester Bestandteil der Bewerbung um ein Master- oder Doktorandenstudium ist: das sogenannte Personal Statement.

In diesem Motivationsschreiben sollen Bewerber auf ein oder zwei Seiten begründen, warum sie sich für einen bestimmten Studiengang bewerben und weshalb sie glauben, geeignete Kandidaten dafür zu sein. Die Bedeutung des Personal Statement für die Zulassungschancen ist nicht zu unterschätzen. Besonders wenn große Konkurrenz um die Studienplätze herrscht, kann ein gelungenes Schreiben den entscheidenden Ausschlag geben. Umgekehrt landen Bewerbungen mit einem wenig aussagekräftigen oder gar fehlerhaften Essay schnell auf dem Stapel mit den Ablehnungen.

Argumente in eigener Sache liefern

„Das Personal Statement kann manchmal Schwächen in anderen Teilen der Bewerbung ausgleichen, aber auch die eigenen Zulassungschancen komplett zunichte zu machen“, bestätigt Ruth Miller, die viele Jahre die Zulassung zum Master- und Doktorandenstudium an der renommierten Woodrow Wilson School of Public and International Affairs (Princeton University) geleitet hat. „Am meisten kommt es darauf an, starke Argumente in eigener Sache zu liefern. Ich möchte davon überzeugt werden, dass ich diese Person zulassen sollte und nicht eine andere mit ähnlich guten Qualifikationen. Es geht darum, sich irgendwie abzuheben.“

Aber wie macht man das am besten? Patentrezepte gibt es nicht, im Gegenteil: Wer sein Schreiben nach Schema F verfasst, wird kaum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber einige Grundprinzipien lassen sich durchaus auf fast alle Personal Statements übertragen, auch wenn die Fragestellungen im Einzelnen variieren.

Inhaltlich geht es fast immer darum, überzeugende Antworten auf drei Fragen zu geben: Welche Faktoren in der eigenen akademischen und persönlichen Entwicklung bewegen mich dazu, mich für diesen Studiengang zu bewerben? Warum bewerbe ich mich gerade für diesen Studiengang an dieser Universität und nicht irgendwo anders? Und was möchte ich hinterher mit dem Abschluss anfangen, d.h. wie kann er mir dabei behilflich sein, meine beruflichen Ziele zu erreichen? An diesen Fragen sollte sich auch der Aufbau des Textes orientieren.

Konkrete Beispiele und Details statt allgemeiner Phrasen

Diese Argumentation muss schlüssig sein und in allen Teilen mit konkreten Beispielen und Details unterfüttert werden, um glaubhaft zu wirken. Allgemeine Phrasen, die genauso gut auf zig andere Bewerber zutreffen könnten, helfen hier nicht weiter. Ebenso wenig lohnt es sich, die Hochschule mit Lob für ihre Ranking-Platzierungen, ihr fantastisches Lehrpersonal oder ihren hervorragenden Ruf zu überschütten und zu betonen, welche Ehre es wäre, dort zu studieren.  Das wissen die schon selbst.

Stattdessen erwarten die Zulassungsgremien, dass Bewerber klare Vorstellungen bezüglich ihres angestrebten Studiums und ihrer beruflichen Zukunft haben. Noch einmal Ruth Miller: „Oft schreiben die Leute über etwas, von dem sie keine Ahnung haben. Manche sagen: ‚Ich möchte irgendetwas mit internationalen Beziehungen machen‘ oder ‚Ich möchte später für die Vereinten Nationen arbeiten‘. Solche vagen Aussagen zeigen mir nur, dass diese Person sich noch überhaupt nicht mit den Realitäten dieser Berufsfelder befasst hat. Dieser Fehler kommt sehr häufig vor, und zwar insbesondere bei jüngeren Bewerbern ohne viel Berufserfahrung.“

Eine gründliche Recherche ist also das A und O eines guten Personal Statements. Es genügt nicht, einfach nur die Selbstdarstellungen der Hochschulen zu übernehmen um zu begründen, warum ein Studium dort eine tolle Sache wäre. Stattdessen gilt es z.B. herauszuarbeiten, wie sich die Ausrichtung des Fachbereichs mit den bisherigen Schwerpunkten aus dem eigenen Studium deckt oder diese ergänzt, mit welchen spezifischen Professoren man gerne zusammenarbeiten würde, oder warum der Aufbau des Studiengangs den eigenen Interessen besonders entgegenkommt. Das heißt auch, dass der Text für jede Hochschule individuell angepasst werden muss, um überzeugend zu sein. Schlimmster Fehler: Denselben Standard-Text für alle Bewerbungen zu benutzen und dann beim Copy/Paste vergessen, die Namen der Unis auszutauschen.

Weniger ist mehr

Für die Darstellung des eigenen akademischen und persönlichen Werdegangs gilt der Grundsatz: weniger ist mehr. Lieber ein oder zwei besonders bemerkenswerte Leistungen oder Erfahrungen aus dem Bachelorstudium auswählen und ausführlicher beschreiben als der Vollständigkeit halber möglichst viele Punkte oberflächlich auflisten. Durch ausgewählte Beispiele werden nämlich auch indirekt die eigenen Qualitäten viel einprägsamer  und glaubhafter deutlich als wenn man einfach nur Adjektive aneinanderreiht wie in „I am a hard-working, highly motivated team worker with outstanding analytical and communicative skills.“ Das kann jeder behaupten. Wichtiger ist zu beweisen, dass es stimmt.

Neben den Inhalten kommt es entscheidend auf Organisation und Stil des Schreibens an. Das Personal Statement soll schließlich keine bloße Auflistung von Fakten oder eine trockene Prosafassung des Lebenslaufs sein, sondern ein gut strukturierter, sprachlich geschliffener Essay.

Originalität ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Man darf nicht vergessen, dass die Gutachter an amerikanischen Graduate Schools oft Hunderte von Personal Statements lesen, die sich häufig erschreckend ähnlich sind. Wer ein wenig gegen den Strich schreibt und so seine Leser aus ihrem Routine-Modus reißt, ist anderen Bewerbern gegenüber im Vorteil.

Ein origineller Einstieg ist die halbe Miete

Womit wir wieder beim Einstieg in den Text wären. Mit einem originellen ersten Satz oder Absatz kann man die Neugier der Leser wecken. Statt also chronologisch vorzugehen oder gar die Fragestellung zu wiederholen, kann man mit einem Zitat, einer überraschenden Behauptung oder der Schilderung eines Aha-Erlebnisses die Gutachter von Beginn an für sich einnehmen. „Learning outside in a 9000-hectar forest was more engaging and exciting than sitting in a lab waiting for some bacteria to grow“ könnte z.B. ein spannender Auftakt für ein Personal Statement in Biologie sein.

Auch der Rest des Essays sollte eingängig geschrieben und gut lesbar sein. Deutsche Bewerber müssen hier besonders darauf achten, dass sie auf Englisch nicht den deutschen Stil weiterschreiben, der ihnen schon in der Schule als „gut“ beigebracht wurde. Bekanntlich gelten hierzulande gerade unter Akademikern komplexe Schachtelsätze, Passivkonstruktionen und Nominalisierungen noch immer als Ausdruck von Anspruch und Tiefgang. Im Englischen gilt umgekehrt das Ideal einer möglichst klaren, eleganten Sprache mit prägnanten, straffen Sätzen. Und dass der Essay absolut frei von Rechtschreib- und Grammatikfehlern sein sollte, versteht sich von selbst.

Damit das Personal Statement eine runde Sache wird, sollte im letzten Absatz noch einmal das Wichtigste zusammengefasst und, wenn möglich, auf den Anfang Bezug genommen werden. So entsteht der Eindruck innerer Stimmigkeit, und die Gutachter können den Essay ähnlich befriedigt aus der Hand legen wie einen Roman, bei dem sich am Ende alles zusammenfügt. Die eingangs zitierten Romananfänge stammen übrigens aus Blaue Wunder (Ildiko Kürthy), Der Fremde (Albert Camus) und Der Prozess (Franz Kafka).


Buchtipp: Beispiele für Personal Statements und Empfehlungsschreiben

Asher Graduate Admission EssaysZum Schluss noch ein Buchtipp: Der mit Abstand beste Ratgeber zum Thema ist „Graduate Admissions Essays“ vom US-Karriere-Guru Donald Asher, inzwischen in der vierten Auflage erhältlich. Das Buch enthält viele Tipps zur Ideensammlung, Konzeption und Überarbeitung solcher Texte. Das eigentliche Herzstück sind allerdings die insgesamt fünfzig Beispiele aus einer enormen Bandbreite von Disziplinen: Von Anglistik und Anthropologie über Biochemie, Geschichte, Jura, Mathematik, Neuropsychologie, Politikwissenschaft bis hin zu Tiermedizin und Women’s Studies ist so ziemlich jedes Fach mit einem von Asher kommentierten Personal Statement vertreten. Auch stilistisch variieren die Beispiele von stark autobiografisch geprägten Skizzen (z.B. bei Künstlern) bis zu komplett unpersönlichen Zusammenfassungen bisheriger Forschungstätigkeit (z.B. bei Post-doc Bewerbungen von Naturwissenschaftlern). Abgerundet wird das Buch mit einem Kapitel über Empfehlungsschreiben (letter of recommendation), die ebenfalls immer zu einer Bewerbung für Hochschule und Stipendium gehören. Auch dieser Abschnitt enthält einige Beispielempfehlungen für unterschiedliche Zwecke. Asher erläutert außerdem, welche Dozenten man am besten anspricht, mit welchen Informationen man sie vorab versorgen sollte und wie man auch ansonsten Einfluss darauf nehmen kann, dass am Ende wirklich aussagekräftige Referenzen stehen, die einer Bewerbung den entscheidenden Kick geben können. Erhältlich bei Amazon.

(Dieser Artikel erschien zuerst im August 2012 auf der Go out!-Webseite des DAAD.)

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Kurz vorgestellt: Stanford University

Stanford University-1

Die private Stanford University in Kalifornien zählt zu den renommiertesten Universitäten der Welt. Mit insgesamt rund 15.000 Studierenden, davon knapp die Hälfte im Bachelorstudium, hat die Hochschule für viele genau die richtige Größe: nicht zu groß, nicht zu klein. Gelegen ist Stanford in der San Francisco Bay Area, unweit der Stadt Palo Alto, einer High-Tech Hochburg im nordwestlichen Silicon Valley. Ein Studienplatz an Stanford ist heiß begehrt: Im letzten Jahr (2015) wurden von 38.828 Bewerbern für das Bachelorstudium nur 2.209 zugelassen; das entspricht einer Quote von 5,7 Prozent. Fast alle zugelassenen Bewerber zählten zu den besten 10 Prozent ihres Jahrgangs, und rund 75 Prozent hatten beim Eignungstest SAT mehr als 700 Punkte (von 800) in den einzelnen Abschnitten erreicht. Damit liegt Stanford in punkto Reputation und Zulassungschancen inzwischen gleichauf mit den Ivy League-Elitehochschulen an der amerikanischen Ostküste.

Stanford und die Ivy League

Abgesehen von den Zulassungsstatistiken gibt es jedoch erhebliche Unterschiede zwischen Stanford und der Ivy League. Das liegt nicht nur daran, dass in Kalifornien häufiger und länger die Sonne scheint als in Massachusetts oder Connecticut. Die ganze intellektuelle Kultur und die Atmosphäre auf dem Campus sind anders. Während die ersten großen Universitäten an der Ostküste ursprünglich nach europäischem Vorbild gegründet wurden, um über Fragen der menschlichen Existenz und den Sinn des Lebens nachzudenken, gründet sich Stanfords Ruhm auf seiner Stärke in den Naturwissenschaften und dem Ingenieurwesen, wo es um praktische Anwendungen und Erfindergeist geht und weniger darum, „was die Welt im Innersten zusammenhält“. In diesem Sinne ist Stanford die erste große wirklich „amerikanische“ Universität. Erst später kamen dann auch exzellente Programme in den Geistes- und Sozialwissenschaften hinzu. Diese unterschiedliche Ausrichtung merkt man bis heute; sie wird noch verstärkt durch die typisch kalifornische „Laid back“-Mentalität.

Stanford University-2Auch äußerlich sieht man die Unterschiede: Stanfords großer grüner Campus mit seinen im spanischen Kolonialstil gehaltenen, von roten Ziegeln bedeckten Gebäuden ist offen und der Welt zugewandt, während die efeuumrankten, neogotischen Innenhöfe der Ostküsten-Unis eher den Blick nach innen symbolisieren – auch wenn Architekturkritiker gelegentlich spötteln, der Stanford-Campus sehe aus wie das größte mexikanische Restaurant der Welt. Aber Stanford unterscheidet sich auch vom großen lokalen Rivalen UC Berkeley, der vielleicht besten staatlichen Universität der USA, die nur wenige Meilen entfernt liegt. Während auf dem Berkeley-Campus mit seinen 35.000 Studierenden ein ständiges Gewusel herrscht und der legendäre Polit-Aktivismus noch immer zu finden ist, geht es an Stanford ruhiger, gediegener und wohlhabender zu – schließlich ist das Studium hier mit Gebühren von aktuell rund 42.000 US-Dollar pro Jahr auch bedeutend kostspieliger.

Überall Spitze: Studienfächer an Stanford

Stanfords große akademische Stärken liegen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, in Informatik, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft. Doch auch die anderen Fachbereiche sind durch die Bank hervorragend. Aber wie an den meisten anderen US-Hochschulen gibt es auch hier umfangreiche allgemeinbildende „general education requirements“, die alle Bachelorstudenten unabhängig vom ihrem späteren Hauptfach belegen müssen. Im ersten Studienjahr zum Beispiel ist in jedem Quartal ein Einführungskurs in die Geisteswissenschaften vorgeschrieben, in dem die Studierenden sich in der Textanalyse üben sollen. Auch Schreibkurse und Fremdsprachen stehen auf dem Programm. Ihr Hauptfach („major“) wählen die Bachelorstudenten erst im Verlauf des Studiums, basierend auf ihren intellektuellen Interessen und in Absprache mit Ihrem Academic Director und „Pre-Major Advisor“.

Das Studium an Stanford ist höchst anspruchsvoll, bietet aber auch viel Flexibilität, ungewöhnliche, interdisziplinäre Programme sowie die Möglichkeit, sich bereits früh an der wissenschaftlichen Forschung zu beteiligen. Die allermeisten Lehrveranstaltungen werden von den Professoren selbst unterrichtet, nicht von ihren Assistenten, wie oft an großen Hochschulen üblich. In rund drei Vierteln der Kurse sitzen nach Angaben der Hochschule nicht mehr als 20 Studierende – da ist Raum für intensive Diskussionen.

Studentisches Leben

Stanford-4Der Großteil des Soziallebens an Stanford spielt sich auf dem Campus ab. Alle Studienanfänger werden in Wohnheimen untergebracht. Die meisten bleiben auch dort, da das Silicon Valley extrem teuer ist. Die nahegelegenen Hügel eignen sich perfekt zum Joggen und Radfahren; außerdem sind die Pazifikküste und San Francisco in weniger als einer Stunde erreichbar. Etwas längere Ausflüge führen in die Sierra Nevada oder nach Los Angeles. Wenn man von Freizeitaktivitäten an Stanford spricht, darf natürlich auch der Sport nicht unerwähnt bleiben, denn die Begeisterung dafür ist riesig, und die Teams der Hochschule haben seit 1980 fast 80 nationale Meistertitel geholt, insbesondere im Baseball und im Football. Das jährliche Football-Duell gegen den Erzrivalen Berkeley ist als „Big Game“ bekannt. Auch für Freizeitsportler gibt es zahlreiche Möglichkeiten; allein der Sportkomplex der Hochschule umfasst 26 Tennisplätze, 2 Turnhallen, ein Stadion, einen Golfplatz und 4 Schwimmbecken. Kurz gesagt, Stanford bietet das komplette Paket: erstklassiges Studium, erstklassigen Sport, sonniges Wetter, faszinierende Leute und kalifornische Entspanntheit.

Bewerbung an Stanford

Wer sich erfolgreich an Stanford bewerben will, braucht vor allem eines: herausragende Schulnoten und Top-Ergebnisse in den Eignungstests SAT oder ACT sowie den Nachweis sehr guter Englischkenntnisse in den Sprachtests TOEFL oder IELTS. Doch das allein genügt nicht: Die Universität schaut auch danach, was jemand außerhalb des Unterrichts so alles auf die Beine stellt. Gefragt sind Begeisterung, Eigeninitiative, Verantwortungsbereitschaft, Führungskraft und generell ein attraktives Persönlichkeitsprofil. Dies ist nicht Stanford-spezifisch, sondern gilt für alle hochrangigen US-Universitäten. Dennoch ist die Konkurrenz hier natürlich besonders groß. Um die Bewerber besser kennenzulernen, verlangt Stanford neben dem Haupt-Bewerbungsessay noch drei weitere Kurzessays, die schon so manchem Bewerber Kopfzerbrechen bereitet haben. In jeweils nicht mehr als 250 Wörtern gilt es, folgende Fragen originell zu beantworten:

  • Stanford students possess an intellectual vitality. Reflect on an idea or experience that has been important to your intellectual development.
  • Virtually all of Stanford’s undergraduates live on campus. Write a note to your future roommate that reveals something about you or that will help your roommate — and us — know you better.
  • What matters to you, and why?

Kosten eines Studiums an Stanford

Stanford-3Summa summarum (also inkl. Unterkunft im Wohnheim und Verpflegung) belaufen sich die Studienkosten an Stanford zurzeit auf circa 60.000 US-Dollar pro Jahr. Gleichzeitig vergibt die Universität aber auch zum Teil sehr hohe Stipendien bis hin zur Übernahme der kompletten Kosten – und zwar auch für internationale Bewerber! Bei diesen Finanzhilfen handelt es sich um „need-based aid“, d.h. die Förderung beruht allein auf finanzieller Bedürftigkeit. Wer sich dafür bewerben will, muss zusammen mit der Bewerbung die finanzielle Situation der Familie offen legen, ähnlich wie beim Bafög in Deutschland. Im Falle einer Zulassung übernimmt die Universität dann die Differenz zwischen dem, was die Familie selbst zahlen kann und dem, was es insgesamt kostet. Anders ausgedrückt: Wer das Studium bezahlen kann, muss auch zahlen und bekommt kein Stipendium. Wer nicht (alles) zahlen kann, wird unterstützt. Der Haken für ausländische Bewerber ist natürlich, dass die Zahlungsfähigkeit eine gewisse Rolle bei der Zulassungsentscheidung spielt, d.h. je mehr Geld man von der Universität benötigen würde, desto unwiderstehlicher muss die Bewerbung sein. Also noch unwiderstehlicher als sie bei der großen Konkurrenz ohnehin schon sein muss.

Weitere Beiträge in der Reihe „Kurz vorgestellt“:
Video-Tour: Diese 9 Unis in Boston muss man kennen!
Columbia University, Princeton University

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1,2 Milliarden Dollar: Mehr Stipendien für Ausländer an US-Universitäten

Internationalisierung ist heute mehr denn je ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Hochschulen weltweit. Ausländische Studierende stellen eine Bereicherung des Universitätslebens dar, von der alle Seiten nur profitieren können.  Das wissen die Spitzenuniversitäten in den USA schon lange, aber in den letzten Jahren sind es auch immer mehr kleine und wenig bekannte Einrichtungen, die sich aktiv um internationale Studierende bemühen. Und so ist die Anzahl der Ausländer, die an amerikanischen Colleges und Universitäten eingeschrieben sind, im letzten Jahr auf ein Rekordhoch von rund 975.000 gestiegen, wie das Institute of International Education (IIE) kürzlich in seinem Open Doors Report für 2015 bekanntgab. Fast ein Drittel stammt aus China, gefolgt von Indien, Südkorea und Saudi-Arabien. Deutschland liegt mit rund 10.000 Studierenden auf Platz 14 der Herkunftsländer.

Erfreulich an dieser Entwicklung ist auch, dass die US-Unis neben Stipendien für Masterstudenten und Doktoranden auch immer mehr Gelder für die finanzielle Unterstützung ausländischer Bachelorstudenten bereitstellen, wie die folgende Grafik zeigt (zum Vergrößern klicken):

USA-Stipendien-fur-Auslander

Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 811 US Hochschulen (Colleges und Universitäten), die irgendeine Form von Stipendium für internationale Bachelorstudenten anboten – ein deutlicher Zuwachs gegenüber dem Jahr 2007/08, als es „nur“ 646 Hochschulen waren. Auch die Gesamtsumme der Stipendien hat sich in nur acht Jahren drastisch erhöht, von jährlich 573 Mio Dollar auf zuletzt knapp 1,2 Mrd. Dollar. Dieser Betrag umfasst sowohl Finanzbeihilfen, die aufgrund von nachgewiesener finanzieller Bedürftigkeit vergeben werden („need-based aid“), als auch Stipendien für besondere Leistungen unabhängig vom eigenen Budget („merit-based aid“).

Es ist also nicht so, dass es keine Fördermöglichkeiten für ein komplettes Bachelorstudium in den USA gibt, wie es manchmal heißt. Die US-Unis sind bereit, viel Geld in die Hand zu nehmen, um die klugsten Köpfe und interessantesten Persönlichkeiten aus aller Welt an ihren Campus zu holen. Auch ich hatte in meiner Beratung schon leistungsstarke Schüler, die ein Stipendium von mehr als 50.000 Dollar pro Jahr bekommen haben. Andererseits sind natürlich über den hier betrachteten Zeitraum auch die Studiengebühren deutlich gestiegen, was den Anstieg der Stipendiensumme etwas relativiert. Bedenkt man dann noch, dass die Anzahl der Bewerbungen aus dem Ausland in den letzten Jahren massiv in die Höhe geschossen ist, wird schnell klar, dass die Konkurrenz trotz steigender Stipendiensummen eher größer als kleiner geworden ist.

Der Redesigned SAT ist da: Was ist neu am neuen Test?

Redesigned SAT

Gestern war ein historischer Tag für die US-Hochschulwelt, denn der Eignungstest SAT wurde zum letzten Mal in seiner bisherigen Form durchgeführt. Ab März 2016 wird der Test, der an rund 80 Prozent der US-Hochschulen für die Zulassung zum Bachelorstudium verlangt wird, in einer völlig überarbeiteten Fassung angeboten – als sogenannter „Redesigned SAT“ (oder rSAT). Wer also noch alte Vorbereitungsbücher zuhause hat, kann sie getrost entsorgen, denn der neue Test ist so stark verändert worden, dass die alten Materialien nicht mehr zu gebrauchen sind. Zum Glück stellt das College Board ab sofort zum ersten Mal umfangreiche kostenlose Vorbereitungsmaterialien zur Verfügung. Dazu weiter unten mehr. Was also ist neu am neuen SAT, und warum wurde der Test überhaupt so grundlegend verändert?

Kritik am alten SAT

Die Änderungen sind eine Reaktion auf die anhaltende Kritik, die der SAT in seiner bisherigen Fassung von fast allen Seiten – Schüler, Eltern, Lehrer, Hochschulen – auf sich gezogen hat. Der Test nimmt für sich in Anspruch, anhand sprachlicher und mathematischer Aufgaben die allgemeine intellektuelle Befähigung für ein Studium zu erfassen. Es wird also kein spezifisches Wissen getestet, sondern kognitive Fähigkeiten. Doch vielleicht gerade weil die Fragen bislang wenig mit den konkreten schulischen Unterrichtsinhalten zu tun hatten, galt der SAT vielen als unberechenbar und sogar tückisch, weil manche Fragen absichtlich zweideutig formuliert waren. Für falsche Antworten gab es zudem einen Viertel Punkt Abzug, so dass auch noch Risikobereitschaft und taktisches Verhalten eine Rolle spielten.

Berüchtigt war der Test auch für die vielen obskuren Vokabeln, die im normalen Leben kein Schüler benutzt, die man aber kennen musste, um damit relativ zusammenhangslos kurze Lückentexte zu füllen („mellifluous“, „lugubrious“, „avuncular“ usw.). Wer eine gute Punktzahl erreichen wollte, musste sich also neben der Schule ausgiebig vorbereiten, was zulasten des schulischen Lernens ging. Dabei sollte es doch eigentlich so sein, dass Schüler, die mit dem Unterrichtsstoff gut klarkommen, einen Studierfähigkeitstest nicht zu fürchten brauchen. Und dann ist da noch die Frage der Chancengleichheit, denn Schüler aus Familien, die viel Geld für professionelle Testvorbereitung ausgeben können, sind gegenüber weniger zahlungskräftigen Schichten (oft insbesondere ethnische Minderheiten) deutlich im Vorteil.

Es gab daher massive Zweifel, ob der SAT wirklich etwas über die akademische Eignung aussagt oder eher über Bildung und Einkommen der Eltern. Immer mehr US-Hochschulen sind daher in den letzten Jahren vom SAT und anderen Ankreuztests abgerückt, mit der (einleuchtenden) Begründung, dass die Schulnoten in dieser Hinsicht viel aussagekräftiger sind – was auch durch zahlreiche Studien belegt ist. Die Macher des SAT (das College Board) haben sich nun mit Kritikern, Experten und Interessengruppen zusammengesetzt, um den Test gemeinsam zu verbessern. Und das ist auch gelungen, wie ich finde. Der entscheidende Richtungswechsel besteht darin, dass die Aufgaben und Fragen im neuen SAT nun viel stärker an das gekoppelt sind, was amerikanische Schüler im Unterricht täglich behandeln und lernen.

Auf die Inhalte kommt es an

Der Redesigned SAT, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz erstmals am 7. Mai 2016 durchgeführt wird, dauert 3 Stunden und besteht aus drei langen Teilen (in dieser Reihenfolge): Leseverständnis (Reading, 65 min.), sprachlicher Ausdruck (Writing and Language, 35 min.) und Mathematik (80 min.). Ein vierter Teil (Essay) ist  optional, wird aber wahrscheinlich von etlichen US-Unis erwartet. Für den Essay sind noch einmal 50 Minuten vorgesehen, wodurch sich die Gesamtdauer auf knapp vier Stunden erhöht. Bei den Punkten ist man zur alten Skala von max. 1.600 Punkten zurückgekehrt; der Essay wird getrennt bewertet. Im Wesentlichen wurde der Test gegenüber dem bisherigen SAT in acht Punkten verändert:

  1. Relevant Words in Context: Anstatt ohne viel Zusammenhang exotische Vokabeln abzufragen, die man entweder kennt oder nicht, stehen jetzt Wörter im Vordergrund, die in Studium und Beruf wichtig sein werden und deren genaue Bedeutung größtenteils vom Kontext abhängt, in dem sie vorkommen.
  2. Command of Evidence: Im neuen SAT geht es immer wieder darum zu begründen, warum eine Antwort richtig oder falsch ist, also nach Belegen (evidence) im Text zu suchen, die eine Behauptung oder Aussage stützen. Genau wie man es bei einer Erörterung oder Textanalyse machen würde.
  3. Essay Analyzing a Source: Der Essay wurde ebenfalls grundlegend verändert. Anstatt zu einer vorgegebenen Frage Stellung zu nehmen („Sind Schuluniformen sinnvoll? Begründe deine Meinung.“) geht es nun darum, eine Quelle zu analysieren, z.B. eine Rede von Martin Luther King. Wie argumentiert er, um seine Zuhörer zu überzeugen, welche Belege führt er an, und welche rhetorischen Mittel verwendet er?
  4. Focus on Math that Matters Most: Bisher stammten die Mathematik-Aufgaben aus sehr vielen verschiedenen Bereichen, nun konzentriert sich der Test auf drei Kernbereiche, die für Studium und Beruf am wichtigsten sind. Beim SAT heißen sie „Heart of Algebra“, „Problem Solving and Data Analysis“ und „Passport to Advanced Math“. Es geht also mehr in die Tiefe als in die Breite; Fragen aus der Geometrie zum Beispiel wurden gegenüber dem alten Test stark reduziert. Dafür sind die Fragen jetzt schwieriger, und das Mathe-Ergebnis macht 50% der Gesamtpunktzahl aus. Wer also mit Mathe fremdelt, ist eventuell mit dem ACT-Test besser beraten.
  5. Problems Grounded in Real-World Contexts: Anders als früher haben die Aufgaben nun mehr mit dem „wirklichen Leben“ zu tun, d.h. mit der Art von Problemen, mit denen man sich in Studium und Beruf beschäftigt. Anstatt also z.B. in einzelnen, isolierten Sätzen jeweils den Grammatik-Fehler finden zu müssen, geht es nun wie im realen Leben darum, längere, zusammenhängende Textpassagen sprachlich-stilistisch zu überarbeiten.
  6. Analysis in History/Social Studies and in Science: Inhaltlich beschäftigen sich viele Texte und Mathematikaufgaben nun hauptsächlich mit Themen aus den Bereichen Geschichte, Sozialwissenschaften und Naturwissenschaft. Es geht nicht um Faktenwissen, sondern um die Anwendung von Analyse- und Problemlösungstechniken, die man in diesen Fächern lernt.
  7. U.S. Founding Documents and the Great Global Conversation: Der Leseverständnisteil enthält ab sofort immer einen Ausschnitt aus einem der Gründungsdokumente der USA (z.B. Unabhängigkeitserklärung, Verfassung) oder einem anderen philosophischen oder literarischen Klassiker der politischen Ideengeschichte. Das klingt wie eine Benachteiligung ausländischer Bewerber, muss aber nicht so sein, denn Wissen über US-Geschichte wird nicht erwartet – letztlich handelt es sich einfach um einen weiteren Leseverständnistext.
  8. No penalty for Wrong Answers: Im neuen SAT gibt es keinen Punktabzug mehr für falsche Antworten. Man kann und sollte also auf jeden Fall raten, wenn man eine Antwort nicht weiß. Dadurch dass außerdem beim Multiple Choice jetzt nicht mehr fünf, sondern nur noch vier Antworten zur Wahl stehen, ist sogar die Wahrscheinlichkeit gestiegen, mit der geratenenen Antwort richtig zu liegen!

Kostenlose Testvorbereitung für alle

Bleibt noch die Sache mit der Chancengleichheit. Auch hier hat das College Board die Kritik ernst genommen und zusammen mit dem gemeinnützigen Bildungsanbieter Khan Academy umfangreiche Vorbereitungsmaterialien entwickelt, die ab sofort kostenlos unter www.khanacademy.org/sat zur Verfügung stehen. Neben unzähligen Übungsbeispielen und Tipps gibt es dort auch vier komplette Probetests mit persönlicher Auswertung. Darüber hinaus gibt es natürlich weiterhin für relativ wenig Geld gedruckte Vorbereitungsmaterialien im Buchhandel.

Zur Vorbereitung empfehle ich auch das folgende, rund einstündige Webinar: The International Student Guide to the rSAT. Meine wunderbare Kollegin Dr. Megan Stubbendeck von den Testprep-Experten bei ArborBridge erläutert ausführlich, worum es beim Redesigned SAT geht: Wie ist der Test aufgebaut, welche Inhalte sind in den einzelnen Testabschnitten zu erwarten, und womit könnten insbesondere Nicht-Amerikaner besondere Schwierigkeiten haben? Gegen Ende vergleicht sie auch den rSAT mit dem ACT und gibt Tipps, welcher der beiden Tests die bessere Wahl sein könnte. Zum Anschauen muss eine E-Mail-Adresse eingegeben werden, aber keine Sorge: Es kommt kein Spam von ArborBridge, und falls doch: Beschwerde gerne an mich. Ich kann übrigens auch einen kostenlosen Diagnostic Test inkl. persönlichem Beratungsgespräch mit den Kollegen in Kalifornien arrangieren – einfach kurze Mail an: info [at] consultus [punkt] org.

Die Downloads zum Webinar gibt es hier.

Wie die amerikanischen Hochschulen die Ergebnisse aus dem neuen Test interpretieren werden, bleibt abzuwarten. Es wird sicher einige Zeit dauern, bis die Zulassungsstellen ein Gespür dafür bekommen, was die Punktzahlen wirklich aussagen. Möglich ist auch, dass das College Board nach den ersten Durchgängen noch Änderungen am Format vornimmt. Wer daher auf Nummer Sicher gehen will, kann anstelle des SAT auch den ACT ablegen. Der hat sich seit Jahren nicht verändert, wird überall anerkannt und war in vielen Punkten Vorbild für die Neuerungen im SAT. Tatsächlich machen inzwischen mehr Amerikaner den ACT als den SAT. Mal sehen, ob der neue SAT wieder Boden gut machen kann.

Foto (c) The College Board