Vorträge auf der StudyWorld 2017

Nun steht sie wieder vor der Tür, die StudyWorld in Berlin – eine der wichtigsten Messen zum Studium im Ausland. Wie in den vergangenen Jahren bin ich auch dieses Mal wieder im Vortragsprogramm dabei, und zwar mit folgenden Themen:

  • Freitag, 12. Mai 2017, 15.30-16.15 Uhr: „Das Personal Statement: Überzeugende Motivationsschreiben für die Bewerbung an englischsprachigen Hochschulen verfassen“
  • Samstag, 13. Mai 2017, 14.30-15.15 Uhr: „Studieren in den USA: Sprach- und Eignungstests für die Bewerbung an amerikanischen Hochschulen“

Beide Vorträge finden in Raum A statt als Teil der DAAD-Sonderpräsentationen. Vielleicht sieht man sich! Das komplette Vortragsprogramm gibt es hier.

Video-Tour: Diese 9 Unis in Boston muss man kennen!

Boston ist die US-Studentenmetropole schlechthin. Nirgendwo sonst gibt es eine solche Dichte an exzellenten Colleges und Universitäten: Mehr als 50 sind es, wenn man nicht nur Boston selbst, sondern die gesamte Region betrachtet. Und doch hat man im Ausland oft nur von Harvard und MIT gehört – dabei hat die Region so viel mehr zu bieten! Im Juli 2016 habe ich gemeinsam mit anderen Studienberatern aus aller Welt neun herausragende und höchst unterschiedliche Hochschulen in Boston besucht. Meine Kamera war immer dabei, und so freue ich mich, jetzt den Film THE BOSTON COLLEGE TOUR: 9 UNIVERSITIES IN 9 MINUTES zu präsentieren – ein Kurztrip durch die vielfältige Hochschullandschaft der Stadt, der hoffentlich Lust auf mehr macht. Für Fragen und Beratung zum Studium in Boston stehe ich natürlich gern zur Verfügung. Viel Spaß!

Im Video sind zu sehen (in dieser Reihenfolge): Suffolk University ++ Emerson College ++ Boston University ++ Tufts University ++ Wellesley College ++ Babson College ++ Bentley University ++ Brandeis University ++ Northeastern University. Mehr Informationen zu diesen Hochschulen auf www.consultUS.org/study-in-boston.

Im September: Kostenloser TOEFL-Kurs vom Testveranstalter

Ab September 2016 gibt es wieder eine Möglichkeit, sich kostenlos auf den TOEFL-Test vorzubereiten. Zum zweiten Mal bietet der Testveranstalter ETS unter dem Titel „TOEFL Test Preparation: The Insider’s Guide“ einen Massive Open Online Course (MOOC) zur Testvorbereitung an. Der Kurs startet am 7. September 2016 und dauert 6 Wochen; eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben. Inhaltlich bietet der Kurs eine Mischung aus kurzen Vorlesungen, „Inside the TOEFL“-Videos zu jedem Fragetyp sowie Beispielfragen aus früheren Tests, einschließlich Erläuterungen zu den Antworten. Mehrfach können kurze Probetests abgelegt werden, um sich einen Eindruck vom eigenen Leistungsstand zu verschaffen. Zeitaufwand circa 2-4 Stunden pro Woche. Wer bereits sehr gut Englisch spricht, dürfte allerdings im Kurs unterfordert sein. Anmeldung ab sofort hier.

Bewerbung und Zulassung an Harvard: Worauf es ankommt

Kürzlich war ich auf einer Campusreise in Boston und habe bei der Gelegenheit auch mal wieder an der Harvard University vorbeigeschaut. Und der kleine Abstecher hat sich gelohnt! Im historischen Sanders Theater lief eine Informationsveranstaltung für Studieninteressierte. Es war Samstag vormittag, und das Auditorium war voll besetzt mit Schülern, Eltern und anderen Besuchern. Auf der Bühne: keine langweilige, zig-mal gehörte Powerpoint-Präsentation, sondern ein lebendiges Gespräch zwischen einem Repräsentanten der Universität und zwei aktuellen Studentinnen zu verschiedenen Aspekten des Studiums an Harvard. Sehr persönlich, sehr dem Publikum zugewandt. Da habe ich an anderen US-Eliteunis schon ganz anderes erlebt.

„Objektive Qualifikationen spielen für die Zulassung letztlich keine Rolle“

Das Beste kam jedoch zum Schluss. Nachdem die beiden Studentinnen die Bühne verlassen hatten, hielt der Harvard-Repräsentant eine knapp 15-minütige Rede, in der er erläuterte, nach welchen Kriterien und Verfahren die Zulassungsentscheidungen zum Bachelorstudium an Harvard getroffen werden. Nichts grundlegend Neues, aber selten habe ich das Verfahren der „highly selective college admissions“ so anschaulich und eindringlich beschrieben gehört. Ein exzellenter Vortrag, der mir und den anwesenden Kollegen aus dem Herzen sprach, denn genau diese Punkte sind es, die wir den Schülern in der Studienberatung zu vermitteln versuchen. Und wenn es „straight from the horse’s mouth“ kommt, ist es natürlich noch einmal überzeugender.

Für alle, die an Harvard und ähnlich renommierten Universitäten studieren möchten und nicht dabei sein konnten, habe ich den Vortrag mit meiner Kamera festgehalten. In den ersten Minuten ist das Bild noch etwas wackelig, weil der junge Mann vor mir sich nicht entscheiden konnte, ob er seine Basecap auf- oder absetzen wollte. Auch der Ton ist trotz Mikrofon nicht immer klar verständlich; deshalb habe ich den Vortrag sicherheitshalber untertitelt. Was hier über die Zulassung an Harvard gesagt wird, gilt so oder so ähnlich  auch für andere US-Hochschulen, an denen nur ein Bruchteil der Bewerber zugelassen wird.

Ob das Ganze „fair“ ist – wie im Vortrag behauptet – sei mal dahingestellt. Nicht erwähnt wird nämlich, dass die Kinder von Ehemaligen (sogenannte „legacy students“) deutlich höhere Chancen auf Zulassung haben und die Eliteunis hier auch gerne ein Auge zudrücken bei den Kriterien. An Harvard bestehen rund 12-13 Prozent eines Jahrgangs aus „legacies“. Ihre Zulassungsquote liegt bei rund 30 Prozent und ist damit rund sechsmal so hoch wie für normale Bewerber. Auch für leistungsstarke Sportler werden die Kriterien häufig etwas aufgeweicht, denn die Eliteunis wollen natürlich auch ihre Sportmannschaften siegen sehen. (Nachzulesen in The Price of Admission: How America’s Ruling Class Buys Its Way into Elite Colleges–and Who Gets Left Outside the Gates vom Wall Street Journal-Reporter und Harvard-Absolventen Daniel Golden.)

SAT Subject Tests: Show what you know!

SAT Subject Tests

Für die Zulassung zum Bachelorstudium verlangen einige US-Hochschulen von den Bewerbern neben dem Eignungstest SAT noch zusätzlich Punktzahlen aus 2-3 sogenannten SAT Subject Tests. Der Unterschied: Während es beim SAT um die Überprüfung allgemeiner kognitiver und analytischer Fertigkeiten geht, fragen die Subject Tests spezifisches Wissen aus verschiedenen Schulfächern ab. Meistens dürfen die Bewerber selbst entscheiden, in welchen Fächern sie Subject Tests einreichen möchten. Momentan stehen die folgenden Subject Tests zur Auswahl:

  • Literature
  • U.S. History
  • World History
  • Math 1
  • Math 2
  • Biology E/M
  • Chemistry
  • Physics
  • French
  • French with Listening
  • Spanish
  • Spanish with Listening
  • Modern Hebrew
  • Italian
  • Latin
  • German with Listening
  • Chinese with Listening
  • Japanese with Listening
  • Korean with Listening

Welche Unis verlangen SAT Subject Tests?

Es sind vor allem die sehr renommierten US-Hochschulen, die Bewerbern zumindest „dringend empfehlen“, zusätzlich SAT Subject Tests einzureichen. Angesichts der riesigen Konkurrenz bei diesen Eliteunis sollte man die Möglichkeit, sich auf diese Weise zusätzlich auszuzeichnen, unbedingt nutzen. Aber auch zahlreiche andere, weniger namhafte Colleges und Universitäten bieten Bewerbern die Option, einen oder mehrere Subject Tests einzureichen. Mitunter werden für gute Ergebnisse in diesen Tests sogar kleinere Stipendien vergeben oder Einführungskurse in den jeweiligen Fächern erlassen. Hier eine Übersicht über alle US-Hochschulen, die SAT Subject Tests verlangen, empfehlen oder akzeptieren.

Worum geht es bei den SAT Subject Tests?

Inhaltlich sind die Tests natürlich sehr unterschiedlich: Während in Biologie Fragen zu Mitose und Photosynthese gestellt werden, geht es im Literatur-Test um die Lektüre und Interpretation von Gedichten und Dramen. Doch folgende Punkte haben alle gemeinsam:

  1. Alle  Subject Tests werden im Multiple-Choice Format durchgeführt.
  2. Alle  Subject Tests dauern eine Stunde. (Zum Vergleich: Der SAT dauert rund 4 Stunden.)
  3. Bei allen Tests gibt es für jede falsche Antwort einen Viertelpunkt Abzug. Beim Raten ist daher Vorsicht angebracht.
  4. Bei jedem Subject Test sind maximal 800 Punkte zu erreichen.
  5. Anders als beim SAT oder ACT, bei denen es auch darauf ankommt, dass man die Aufgaben strategisch angeht und ein paar Tricks anwenden kann, zählt bei den SAT Subject Tests allein das Fachwissen – ob man den Stoff drauf hat oder nicht.

Der letzte Punkt stellt für Nicht-Amerikaner oft eine zusätzliche Hürde dar, weil die Inhalte der Subject Tests natürlich auf den Lehrplänen der US High Schools basieren, die sich teilweise stark von unseren unterscheiden. Insbesondere Mathematik wird in den USA ganz anders unterrichtet als bei uns. Andererseits haben wir oft mit den Fremdsprachen weniger Schwierigkeiten als die Amerikaner. Welche 2-3 Subject Tests man also belegen sollte, hängt von den eigenen Stärken und Vorlieben ab. (Es sei denn, die US-Uni schreibt bestimmte Tests vor.) Es sollten Fächer sein, in denen man sich sicher fühlt und glänzen kann. Sinn und Zweck dieser Tests ist es schließlich, den Hochschulen zusätzliche Beweise zu liefern, dass man akademisch zu den Top-Bewerbern gehört. Ein absolutes No-No ist aber ein Sprachtest in der eigenen Muttersprache! Deutsche Bewerber, die stolz die volle Punktzahl im „German with Listening“-Test präsentieren, machen sich vor allem eins: lächerlich.

SAT Subject Tests in Deutschland: Termine, Anmeldung, Kosten

Die Testorte für die SAT Subject Tests sind dieselben wie für den SAT Test; auch die Termine sind teilweise identisch. Die Subject Tests werden sogar häufiger angeboten:

  • 6. Mai 2017 (Anmeldeschluss: 7. April 2017)
  • 3. Juni 2017 (Anmeldeschluss: 9. Mai 2017)
  • 7. Oktober 2017 (Anmeldeschluss: 8. September 2017)
  • 4. November 2017 (Anmeldeschluss: 5. Oktober 2017)
  • 2. Dezember 2017 (Anmeldeschluss: 2. November 2017)
  • 5. Mai 2018 (Anmeldeschluss: 6. April 2018)
  • 2. Juni 2018 (Anmeldeschluss: 3. Mai 2018)

Pro Termin kann nur entweder ein SAT-Test oder maximal 3 Subject Tests abgelegt werden. Wer beide Tests braucht, muss sich  angesichts der wenigen Termine eine gute Reihenfolge überlegen, um falls nötig noch Zeit für eine Wiederholung zu haben, wenn das Ergebnis nicht zufriedenstellend ausfällt. Manche Subject Tests werden allerdings nicht an allen Terminen durchgeführt. Die Sprachtests mit Hörverständnis-Teil zum Beispiel gibt es nur im November, und „World History“ wird nur im Dezember und Juni angeboten. Welcher Test wann stattfindet, steht hier.

Die Gebühr für einen SAT Subject Test außerhalb der USA beträgt zurzeit 64 US-Dollar, plus 18 US-Dollar für jeden weiteren Test (maximal 3 pro Termin). Testzentren in Deutschland: Augsburg, Baumholder (bei Kaiserslautern), Berlin, Bonn, Bremen, Düsseldorf, Erlangen, Frankfurt/Main, Hamburg, Heidelberg, Hohenfels (bei Regensburg),  Kaiserslautern, Kandern (bei Basel), München, Salem, Stuttgart, Vilseck, Wiesbaden. In Österreich: Wien, St. Gilgen. In der Schweiz: Basel, Chesières, Genf, Hasliberg, Leysin, Zürich, Zug, Zuoz. Die Anmeldung für die Subject Tests läuft über den Online-Account, den man sich bereits bei der Registrierung für den SAT angelegt hat. Siehe hier.

Vorbereitung auf die SAT Subject Tests

Grundvoraussetzung für eine gute Punktzahl in den Subject Tests sind solide Kenntnisse in dem jeweiligen Schulfach. Wie schwierig diese Tests sind, lässt sich nicht pauschal sagen, aber wer zum Beispiel im Abitur Leistungs- bzw. Profilfächer in Physik oder Chemie belegt, dürfte mit den entsprechenden Subject Tests gut zurechtkommen, zumal es in den Naturwissenschaften nicht so stark auf die Sprache ankommt. Auch die Tests in Spanisch oder Französisch liegen deutlich unter Abitur-Niveau. Schwierigkeiten düften vor allem die englischen Begrifflichkeiten und die Unterschiede zwischen deutschen und amerikanischen Lehrplänen machen. Deshalb rate ich dazu, einige Probetests in den gewünschten Fächern zu absolvieren. Den besten Einstieg dazu bietet ein Vorbereitungsbuch vom College Board (dem Testveranstalter), das zu jedem Subject Test einen Original-Test enthält. Damit kann man sich einen Überblick verschaffen und entscheiden, welche Tests einem am ehesten liegen:

Ebenfalls vom College Board gibt es zwei Vorbereitungsbücher speziell für die beiden Mathe-Tests und die Tests in U.S. History/World History, jeweils mit Original-Tests. Diese beiden Bücher müssen allerdings direkt beim College Board bestellt werden. Darüber hinaus gibt es für jeden einzelnen Test spezielle Vorbereitungsbücher von diversen Verlagen wie Princeton Review, Barrons oder Kaplan, die allerdings keine Originaltests enthalten.

Kurz vorgestellt: Princeton University

Princeton

Unter den „Großen Drei“ der amerikanischen Ivy League Universitäten (Harvard-Yale-Princeton) ist die Princeton University in Princeton (New Jersey) mit nur rund 7.500 Studierenden (davon 5.000 im Bachelorstudium) die kleinste. Damit besetzt die Hochschule unter den Super-Eliteuniversitäten der USA eine besondere Nische. Denn einerseits handelt es sich um eine führende Forschungsuniversität mit zahlreichen Spitzenforschern auf allen Gebieten, andererseits haben diese Star-Professoren  aufgrund der relativ geringen Zahl an Masterstudierenden und Doktoranden die Möglichkeit, einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit den Bachelorstudierenden zu widmen. Das bedeutet: eine intensive Betreuung und viele Möglichkeiten für anspruchsvolle eigene Studienvorhaben unter Anleitung eines Hochschullehrers. Auch in punkto Location hebt sich Princeton von der Konkurrenz ab: Während Harvard Teil der Ostküstenmetropole Boston ist und New Haven (Yale) noch immer zu den US-Städten mit der höchsten Kriminalitätsrate zählt, ist das Städtchen Princeton (ca. 25.000 Einwohner) klein, wohlhabend und weitgehend sicher.

Der beeindruckende Campus der Universität erinnert mit seiner überwiegend neugotischen Architektur an Oxford, Cambridge und Harry Potter. (Eine virtuelle Tour mit vielen Fotos gibt es hier.) Besonders ins Auge stechen die riesige, reich verzierte Universitätskirche und der Cleveland Tower, der sich majestätisch über die Baumwipfel erhebt. Andere Gebäude wie die mehr als 250 Jahre alte Nassau Hall sind im Kolonialstil gehalten, während einige moderne Einrichtungen von führenden Architekten wie Robert Venturi und IM Pei entworfen wurden. Insgesamt aber sieht Princeton haargenau so aus, wie man sich eine Ivy League Universität vorstellt. Noch immer hält sich übrigens hartnäckig die (widerlegte) Legende, dass der Begriff „Ivy League“, der sich eigentlich nur auf die Mitgliedschaft in einer Sportliga bezieht, seinen Ursprung in den Efeuranken an den Mauern von Nassau Hall hat. Das Ganze wirkt sehr gediegen und exklusiv, und obwohl Geld bei der Zulassung keine Rolle spielt, hängt Princeton nachhaltig der Ruf an, eine Bastion des privilegierten Neuengländer Geldadels zu sein. Tatsächlich ist die sozioökonomische Mischung der Studentenschaft aber kaum anders als an den anderen Ivy League Hochschulen.

Unterschied zu Harvard und Yale: Fokus auf das Bachelorstudium

West_College_PrincetonWas Princeton von den anderen Ivy League-Institutionen unterscheidet, ist vor allem der starke Fokus auf das vierjährige Bachelorstudium. Für eine Forschungsuniversität bietet Princeton den Bachelorstudenten einen ungewöhnlich engen Kontakt zu den Professoren. Selbst die Einführungsvorlesungen werden nicht, wie oft an größeren Einrichtungen, von wissenschaftlichen Assistenten und Doktoranden gehalten, sondern fast immer von den berühmten Professoren höchstpersönlich. Das Freshman Seminar Program, an dem rund zwei Drittel aller Studienanfänger teilnehmen, bietet weitere Möglichkeiten, gleich zu Beginn des Studiums einen engen Kontakt zum Lehrpersonal aufzubauen. Bei diesem Programm können sich die Studierenden in kleinen Gruppen in eines von mehr als 60 Themen vertiefen und dabei das Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens lernen.

Alle Bachelorstudierenden müssen zudem unabhängig von ihrem Hauptfach eine Art Studium Generale absolvieren, zu dem unter anderem Kurse in Erkenntnistheorie, Ethik, Literatur, Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaft gehören. Das ist an den meisten US-Universitäten so. Wer an Princeton studiert, muss allerdings im dritten Studienjahr zusätzlich zum normalen Kurspensum noch zwei längere eigenständige Arbeiten zu je 30 Seiten verfassen. Außerdem ist Princeton eine der wenigen US-Universitäten, an denen die Bachelorstudierenden im letzten Studienjahr eine lange Abschlussarbeit („senior thesis“) erstellen müssen, die einer Masterarbeit in Deutschland in nichts nachsteht. Viele Absolventen sagen, die Arbeit an ihrer „senior thesis“ sei eine ihrer besten Erfahrungen an Princeton gewesen. Aus all dem dürfte deutlich werden, dass das Niveau hier höchst anspruchsvoll ist, und die Bestnote „A“ ist bedeutend schwieriger zu bekommen als an anderen Elitehochschulen, wo oftmals noch immer die berüchtigte „grade inflation“ vorherrscht.

Natürlich bringt die überschaubare Größe der Universität auch einige Nachteile mit sich, denn die Auswahl an Kursen ist dadurch kleiner als an größeren Einrichtungen. Aber ein Mangel an Masse bedeutet keineswegs einen Mangel an Klasse. Bei den Studiengängen gehören Mathematik, Philosophie, Anglistik, Physik, VWL, Molekularbiologie, Verwaltungswissenschaft und Romanistik zum Besten, was die USA zu bieten haben. Auch die Ingenieurwissenschaften sind stark vertreten. Eine der bekanntesten Einrichtungen ist  die renommierte politikwissenschaftliche Woodrow Wilson School of Public and International Affairs, benannt nach dem ehemaligen US-Präsidenten, Friedensnobelpreisträger und Princeton-Absolventen Woodrow Wilson.

Studentenleben: Gemeinsames Wohnen und exklusive Clubs

Whitman_College_PrincetonDie Mehrheit der Princeton-Studierenden ist eher konservativ-traditionell eingestellt, und wer einen politisch aktiven Campus sucht, sollte sich andernorts umsehen. Um die sozialen Kontakte der Studierenden untereinander zu verbessern, hat die Hochschule kürzlich ihre Wohnheime zu sogenannten Residential Colleges gruppiert (Foto rechts: Whitman College), in denen die Studierenden in den ersten beiden Jahren gemeinsam wohnen, essen und Aktivitäten nachgehen. Die Studierenden im dritten und vierten Studienjahr hingegen sind häufig Mitglied in sogenannten Eating Clubs, die Studentenverbindungen ähneln und einen Großteil des Soziallebens auf sich vereinen. Ähnlich wie bei den fraternities/sororities handelt es sich dabei um Bastionen des Traditionalismus, zu denen der Zugang entweder per Losentscheid oder Auswahlverfahren vergeben wird.  Die beiden ältesten Eating Clubs – der Ivy Club und der Tiger Inn – wurden erst 1991 gerichtlich dazu gezwungen, auch Frauen aufzunehmen. Mit Mitgliedsgebühren von rund $5.000 pro Jahr ist der Ivy Club auch die teuerste Verbindung. Die Spaltung, die diese exklusiven Cliquen in die Princeton-Studierendenschaft bringen, soll durch die anhaltende Anbindung an die „Residential Colleges“ vermindert werden. Vereint sind außerdem alle in der Begeisterung für den Princeton den Sport und die Spiele der „Tigers“ (insbesondere Football und Basketball).

Bewerbung und Zulassung an Princeton

Genau wie an den anderen renommierten US-Universitäten herrscht um die Zulassung an Princeton extreme Konkurrenz. In diesem Jahr (2016) wurden von rund 29.000 Bewerbern nur knapp 1.900 zugelassen; das entspricht einer Quote von 6,5 Prozent – ein neuer (Minus-)Rekord. Zur Bewerbung gehören neben den schulischen Leistungen seit einschließlich Klasse 9 auch Ergebnisse aus den Eignungstests SAT oder ACT sowie zwei SAT Subject Tests. Dass die Schulnoten absolut top sein müssen, versteht sich von selbst – rund die Hälfte der angenommenen Bewerber hatte die Bestnote 1,0 (bzw. 4,0 im US-Notensystem).

Aber Top-Noten und Spitzenwerte in den Tests sind nicht alles, denn das können fast alle Bewerber vorweisen. Für eine erfolgreiche Zulassung kommt es darauf an, der Universität zu zeigen, was einen darüber hinaus auszeichnet. Auf der Webseite heißt es:

We look for students who make a difference in their schools and communities, so tell us about your leadership activities, interests, special skills and other extracurricular involvements. Tell us if you’ve had a job or a responsibility in your home. Most Princeton students were academic standouts in high school. Most of them also invested their energy and talents in significant ways outside the classroom. We want to know what you care about, what commitments you have made and what you’ve done to act on those commitments.

Kurz gesagt: Ein 1,0-Abitur und dreimal die Woche Sport genügen nicht. Princeton sucht Schüler, die für eine oder mehrere Sachen brennen, rausgehen und etwas auf die Beine stellen. Außerdem kommt es natürlich darauf an, die eigene Persönlichkeit durch einprägsame Essays in bestem Licht zu präsentieren. Hier ein aktuelles Beispiel für einen erfolgreichen Ivy-League-Essay.

Geld spielt keine Rolle: Kosten und Stipendien

Firestone_Library_PrincetonDie Kosten eines Studiums an Princeton betragen zurzeit insgesamt rund $64.000 pro Jahr, inklusive Studiengebühren, Unterkunft und Verpflegung. Natürlich zahlen bei weitem nicht alle Studierenden diese hohe Summe, sondern nur diejenigen, die es sich leisten können. Alle anderen (rund zwei Drittel) erhalten zum Teil erhebliche Finanzbeihilfen von der Universität und/oder der US-Regierung. Für die Zulassung spielt die Zahlungsfähigkeit überhaupt keine Rolle, denn Princeton arbeitet nach dem Prinzip der „need-blind admission“: Die Zulassungsentscheidung wird ohne Ansehen der finanziellen Möglichkeiten der Bewerber getroffen. Stellt sich dann heraus, dass ein angenommener Bewerber das Studium nicht aus eigener Tasche bezahlen kann, zahlt die Universität die Differenz zwischen dem, was die selbst aufbringen kann, und den Gesamtkosten – bis hin zum Vollstipendium. Und es kommt noch besser: Princeton ist eine von zurzeit nur fünf US-Universitäten, die diese Praxis auch auf ausländische Bewerber anwenden! Hier gilt also tatsächlich, dass ein USA-Studium am Geld nicht scheitern muss. Die eigentliche Hürde besteht freilich darin, überhaupt zu den auserwählten 6 Prozent zu gehören, die eine Zusage erhalten.

Weitere Beiträge in der Reihe „Kurz vorgestellt“: Video-Tour: Diese 9 Unis in Boston muss mann kennen! Columbia University, Stanford University

Fotos: (c) Pete Spiro / Shutterstock.com, Wikipedia

Study World-Messe: 16 US-Unis in Berlin

Study World Berlin

Zum elften Mal steigt am kommenden Wochenende (22.-23. April 2016) die Study World-Messe in Berlin: Deutschlands größte internationale Messe für Studium und Karriere im In- und Ausland. Wie immer eine hervorragende Gelegenheit, aus erster Hand Informationen zu Bachelor- und Masterstudiengängen, internationalen Studienprogrammen, Weiterbildungsangeboten, Auslandspraktika und Finanzierungsmöglichkeiten zu bekommen. Trotz umfangreicher Informationen im Internet: Es geht doch nichts über ein persönliches Gespräch.

Für alle, die sich für ein Studium in den USA interessieren, lohnt sich ein Besuch der Study World in diesem Jahr besonders, denn „Education USA“ (der Beratungsdienst des US-Außenministeriums) tourt derzeit mit mehr als einem Dutzend US-Hochschulen durch Deutschland und hat auf der Messe einen eigenen Pavillon, in dem sich alle Unis vorstellen. Abgesehen von der New York University, der University of Southern California und der UC Irvine sind zwar keine ganz großen Namen dabei, aber gerade bei den nicht so bekannten Adressen gibt es oft viel zu entdecken – und die Zulassungschancen sind bedeutend besser. Folgende US-Hochschulen sind vertreten:

  • Arizona State University
  • Berkeley College (New York)
  • California Polytechnic State University
  • California State – San Jose State University
  • California State University, East Bay
  • Fairleigh Dickinson University (New Jersey)
  • Foothill-DeAnza Community College (Kalifornien)
  • New York University Abu Dhabi
  • Portland State University
  • Richmond The American International University in London
  • Santa Barbara City College
  • Schiller International University (Heidelberg)
  • Truman State University (Missouri)
  • University of California, Irvine
  • University of North Carolina Wilmington
  • University of Southern California – Viterbi School of Engineerung

Wer es nicht zur Study World nach Berlin schafft, kann diese und einige weitere Hochschulen auch noch in Heidelberg (20. April) und Hamburg (25. April) persönlich kennenlernen. Näheres hier.

Ach so, und nicht zu vergessen: Ich selbst bin auch wieder mit zwei Vorträgen dabei:

  • Freitag, 22. April, 13:00-13:45 Uhr: Das „personal statement“ – Überzeugende Motivationsschreiben für die Bewerbung an englischsprachigen Hochschulen verfassen
  • Samstag, 23. April, 14:00-14:45 Uhr: Studieren in den USA: Sprach- und Eignungstests für die Bewerbung an amerikanischen Hochschulen

Vielleicht sieht man sich!

Foto (c) ICWE GmbH

Shoppen im Großmarkt: Beispiel für einen erfolgreichen Ivy League-Essay

Ivy League Essay

Alle Jahre wieder im April kursieren in den Medien Berichte über US-Schülerinnen und Schüler, denen das Kunststück gelungen ist, an allen acht — oder zumindest mehreren — Ivy League-Universitäten gleichzeitig angenommen zu werden. Weitaus seltener kommt es hingegen vor, dass diese Überflieger Teile ihrer erfolgreichen Bewerbung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Schülerin Brittany Stinson aus Delaware wurde dieses Jahr an immerhin fünf Ivy League Unis genommen (Yale, Columbia, University of Pennsylvania, Dartmouth und Cornell, außerdem an der Stanford University) und hat dem Wirtschafts- und Finanzportal Business Insider kürzlich erlaubt, ihren Bewerbungsessay zu veröffentlichen (Text weiter unten).

Dieser „Personal Essay“ ist Teil jeder Bachelor-Bewerbung an Hunderten von US-Hochschulen und bereitet fast allen Bewerbern Kopfzerbrechen. Denn in diesem maximal 650 Wörter langen Text soll nicht etwa begründet werden, warum man dieses oder jenes Fach studieren möchte, sondern es soll auf eloquente und originelle Weise die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck kommen. Allein die Themenfindung ist oft ein langwieriger Prozess – das kenne ich aus der Arbeit mit den Schülern, die ich in meiner Studienberatung betreue. Viele neigen zunächst dazu, über die eigenen Erfolge z.B. im Sport zu schreiben oder über ihre Besorgnis um die demokratischen Werte angesichts zunehmender Abschottung und Fremdenfeindlichkeit in Europa. Brittany Stinson zeigt, dass die besten Essays oft nicht so hochtrabende Themen behandeln, sondern eher von Alltäglichem ausgehen: in ihrem Fall die regelmäßigen Einkaufstouren der Familie zu Costco, einer amerikanischen SB-Großhandelskette.

Show not tell: Was einen guten College-Bewerbungsessay ausmacht

Natürlich ist dieses vermeintlich banale Thema nur der Aufhänger für höchst komplexe Überlegungen zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung, die auch noch mitreißend und auf hohem sprachlichen Niveau präsentiert werden. Dass der Essay so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass Brittany eine Geschichte erzählt und mit einer anschaulichen Anekdote gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit der Leser gewinnt. Sie hält sich durchweg an das erzählerische Prinzip des „show not tell“ – das heißt, sie zeigt sich selbst in Aktion anstatt sich nur mit Adjektiven zu beschreiben. Dadurch wird der Essay lebendig. Ein so alltägliches Thema wie Costco und Hot Dogs macht sie zu einer Metapher für das große Ganze, ohne dass es angestrengt wirkt. Der leichte, spielerische und humorvolle Tonfall des Essays passt perfekt zu einem Teenager und wirkt viel authentischer, als wenn ein 17-jähriger zum Beispiel behauptet, täglich Kants kategorischen Imperativ zur Grundlage seines Handelns zu machen. Man kommt beim Lesen nicht umhin, Brittany zu mögen. Und das ist ein extrem wichtiges Element in einem erfolgreichen Bewerbungsessay. Und schließlich konzentriert sich der Text auf einen zentralen Aspekt: Brittanys Neugierde. Oft kranken Bewerbungsessays daran, dass die Schüler versuchen, zu viele Aspekte ihrer Persönlichkeit gleichzeitig unterzubringen, wodurch die Texte oberflächlich oder schlimmstenfalls konfus wirken.

Genug der Vorrede, hier nun der vollständige Text samt Fragestellung (via Business Insider). Wichtig ist noch der Hinweis, dass der Personal Essay nur ein Teil der College-Bewerbung ist. Natürlich hat Brittany auch mit Bestnoten, Top-Ergebnissen in den Eignungstests und beeindruckendem außerunterrichtlichem Engagement gepunktet. An den US-Eliteuniversitäten kann der Essay dann den entscheidenden Ausschlag geben, wenn Top-Bewerber ansonsten ähnliche Qualifikationen aufweisen.

Prompt 1: Some students have a background, identity, interest, or talent that is so meaningful they believe their application would be incomplete without it. If this sounds like you, then please share your story.

Managing to break free from my mother’s grasp, I charged. With arms flailing and chubby legs fluttering beneath me, I was the ferocious two­ year old rampaging through Costco on a Saturday morning. My mother’s eyes widened in horror as I jettisoned my churro; the cinnamon­sugar rocket gracefully sliced its way through the air while I continued my spree. I sprinted through the aisles, looking up in awe at the massive bulk products that towered over me. Overcome with wonder, I wanted to touch and taste, to stick my head into industrial­sized freezers, to explore every crevice. I was a conquistador, but rather than searching the land for El Dorado, I scoured aisles for free samples. Before inevitably being whisked away into a shopping cart, I scaled a mountain of plush toys and surveyed the expanse that lay before me: the kingdom of Costco. 

Notorious for its oversized portions and dollar­fifty hot dog combo, Costco is the apex of consumerism. From the days spent being toted around in a shopping cart to when I was finally tall enough to reach lofty sample trays, Costco has endured a steady presence throughout my life. As a veteran Costco shopper, I navigate the aisles of foodstuffs, thrusting the majority of my weight upon a generously filled shopping cart whose enormity juxtaposes my small frame. Over time, I’ve developed a habit of observing fellow patrons tote their carts piled with frozen burritos, cheese puffs, tubs of ice cream, and weight­loss supplements. Perusing the aisles gave me time to ponder. Who needs three pounds of sour cream? Was cultured yogurt any more well­mannered than its uncultured counterpart? Costco gave birth to my unfettered curiosity. 

While enjoying an obligatory hot dog, I did not find myself thinking about the ‘all beef’ goodness that Costco boasted. I instead considered finitudes and infinitudes, unimagined uses for tubs of sour cream, the projectile motion of said tub when launched from an eighty foot shelf or maybe when pushed from a speedy cart by a scrawny seventeen year old. I contemplated the philosophical: If there exists a thirty­three ounce jar of Nutella, do we really have free will? I experienced a harsh physics lesson while observing a shopper who had no evident familiarity of inertia’s workings. With a cart filled to overflowing, she made her way towards the sloped exit, continuing to push and push while steadily losing control until the cart escaped her and went crashing into a concrete column, 52” plasma screen TV and all. Purchasing the yuletide hickory smoked ham inevitably led to a conversation between my father and me about Andrew Jackson’s controversiality. There was no questioning Old Hickory’s dedication; he was steadfast in his beliefs and pursuits – qualities I am compelled to admire, yet his morals were crooked. We both found the ham to be more likeable – and tender.

I adopted my exploratory skills, fine tuned by Costco, towards my intellectual endeavors. Just as I sampled buffalo­chicken dip or chocolate truffles, I probed the realms of history, dance and biology, all in pursuit of the ideal cart–one overflowing with theoretical situations and notions both silly and serious. I sampled calculus, cross­country running, scientific research, all of which are now household favorites. With cart in hand, I do what scares me; I absorb the warehouse that is the world. Whether it be through attempting aerial yoga, learning how to chart blackbody radiation using astronomical software, or dancing in front of hundreds of people, I am compelled to try any activity that interests me in the slightest. 

My intense desire to know, to explore beyond the bounds of rational thought; this is what defines me. Costco fuels my insatiability and cultivates curiosity within me at a cellular level. Encoded to immerse myself in the unknown, I find it difficult to complacently accept the “what”; I want to hunt for the “whys” and dissect the “hows”. In essence, I subsist on discovery.

In New York studieren: Colleges und Universitäten jenseits von Manhattan

Upstate New York

Die Aussicht ist spektakulär. New York in voller Pracht. Kilometerweit geht der Blick; wie von einem Flugzeug aus betrachtet entfaltet sich das atemberaubende Panorama. Doch dies ist kein Wolkenkratzer in Manhattan, und zu sehen ist nicht das hektische Treiben der Stadt, die niemals schläft. Stattdessen sanfte, satt-grüne Hügel, soweit das Auge reicht. Dazwischen der Cayuga Lake, blau und klar wie ein schwedischer Bergsee und umgeben von dichten Wäldern, turmhohen Wasserfällen und zahlreichen Schluchten.

Wir sind in der Finger-Lakes-Region im US-Staat New York, rund 250 Kilometer nördlich von New York City, im 14. Stock des East Tower, einem Wohnheim auf dem Campus des Ithaca College. Hier oben in der TC Lounge gibt es Wraps mit Hummus und Taboulé, fair gehandelten Kaffee und Kakao, gemütliche Sessel zum konzentrierten Arbeiten und jeden Mittwochabend die Open Mike Night für Campus-Künstler. Im Hintergrund leuchten dazu die Lichter von Ithaca, einem Studentenstädtchen par excellence, voller Cafés, Kneipen, Restaurants, Bioläden, Museen und kultureller Aktivitäten. Mit einer Gruppe von Studienberatern bin ich eine Woche lang in New York unterwegs, um mir ein persönliches Bild von den Hochschulen im „Empire State“ zu machen.

Dass hier trotz der ländlichen Umgebung nicht der Hund begraben ist, hat seinen Grund. Denn Ithaca ist nicht nur die Heimat des mit 7.000 Studierenden relativ kleinen Ithaca College, sondern auch Standort der weltberühmten Cornell University. Während die Ivy-League-Hochschule ihren Ruf hauptsächlich ihren exzellenten Forschungsleistungen verdankt, punktet Ithaca College mit einer hervorragenden Bachelorausbildung, zum Beispiel im Bereich Publizistik und Kommunikationswissenschaft. So wird die wohl beste Studentenzeitung der USA nicht an Harvard oder Stanford gemacht, sondern hier: The Ithacan, mehrfach preisgekrönt und Sprungbrett für zahlreiche Karrieren in den US-Medien.

Klein aber fein: Liberal Arts Colleges

„Upstate New York“, wie die Amerikaner das Gebiet nördlich von New York City nennen, ist reich an erstklassigen Hochschulen. Da sind zum einen die vielen „Liberal Arts Colleges“: zumeist kleine, private Hochschulen, die sich ganz auf die Bachelorausbildung konzentrieren und dabei einen breiten interdisziplinären Ansatz verfolgen, der die umfassende Förderung des Wissens in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften zum Ziel hat. Sie bieten ein anspruchsvolles Studium, kleine Kursgrößen, engagierte Professoren, traumhafte Betreuungsverhältnisse und eine intensive Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem Campus. Oft liegen sie allerdings auch ziemlich weit ab vom Schuss.

Colgate UniversityParadebeispiele für diesen Hochschultyp sind das Hamilton College (ca. 1.900 Studierende) in Clinton, New York, und nur eine halbe Stunde entfernt die Colgate University (ca. 2.800 Studierende, Foto links), verwirrenderweise in einem Örtchen namens Hamilton gelegen und trotz der Bezeichnung „Universität“ ein mustergültiges Liberal Arts College (und ja, benannt nach dem Zahnpasta-Mogul William Colgate). Beide Hochschulen beeindrucken mit einem Bilderbuch-Campus aus braun-grauem Sandstein, sind anmutig auf Hügeln gelegen und umgeben von sattem Grün. Fast alle Studierenden und Professoren leben auf dem Hochschulgelände oder in der unmittelbaren Umgebung. Dadurch entsteht eine enge Gemeinschaft, die nach dem Studium ihre Fortsetzung in starken Ehemaligen-Netzwerken findet.

Vom Fächerangebot her praktizieren beide Hochschulen die Liberal Arts-Philosophie in Reinform. Berufsorientierte Fächer wie BWL, Jura oder Ingenieurwesen sucht man vergebens; stattdessen können die Studierenden frei aus der Palette der Geistes, Sozial- und Naturwissenschaften wählen, verschiedene Richtungen ausprobieren und Kurse flexibel kombinieren. An Hamilton wurden vor ein paar Jahren sogar alle Pflichtkurse abgeschafft; mit dem „open curriculum“ können sich die Studierenden nun querbeet, ganz nach ihren individuellen Interessen und interdisziplinär bilden. Studieren in der Provinz bedeutet folglich nicht Provinzialität im Denken: „Wir sind hier an diesem wunderschönen Ort“, sagt Douglas Hicks, der an Colgate die Zulassung zum Bachelorstudium leitet, „aber wir sind uns der Welt um uns herum sehr bewusst.“ Rund zwei Drittel der Colgate-Studierenden verbringen einen Teil ihres Studiums im Ausland. Ein Spitzenwert, nicht nur für US-Verhältnisse.

Studiengänge für Querdenker und Individualisten

UnionDennoch: Das Studium in ländlicher Isolation ist nicht jedermanns Sache. Wer etwas mehr Abwechslung möchte, ohne auf die Liberal Arts-Erfahrung verzichten zu müssen, wird vielleicht am Union College in Schenectady unweit der Landeshauptstadt Albany fündig. Union unterscheidet sich insofern von den meisten anderen Liberal Arts Colleges, als man hier auch Maschinenbau, Elektrotechnik oder Technische Informatik studieren kann. So ergeben sich ungewöhnliche und in Deutschland undenkbare Fächerkombinationen wie Physik und Musik. Blickfang auf dem 1813 vom französischen Landschaftsarchitekten Joseph Jacques Ramée gestalteten Campus ist das denkmalgeschützte, 16-seitige Nott Memorial (Foto), das heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt wird.

Eine weitere attraktive Option für kreativ-künstlerisch veranlagte Köpfe mit unkonventionellen Ideen ist das Skidmore College in Saratoga Springs, einem historischen Kurort mit berühmter Pferderennbahn, dessen Einwohnerzahl sich während der Rennsaison verdreifacht – geballtes Nachtleben inklusive. Auch Skidmore bietet Fächer, die sich an Hochschulen dieser Art sonst eher selten finden, darunter BWL, Erziehungswissenschaft oder Soziale Arbeit. Aber auch die Naturwissenschaften und die Künste sind stark vertreten: Mit dem Arthur Zankel Music Center verfügt die Hochschule über einen brandneuen Konzertsaal, dessen fantastische Akustik das Herz jedes Musikliebhabers höher schlagen lässt.

Universitäten und technische Hochschulen

Rensselaer Polytechnic InstituteBrillante Klänge sind auch am Rensselaer Polytechnic Institute (RPI) zu hören, einer der führenden technischen Universitäten der USA. Das Gebäude des neuen „Experimental Media and Performing Arts Center“ passt sich automatisch der musikalischen Darbietung und den verwendeten Instrumenten an – ein Meisterstück der Ingenieurskunst. Die ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengänge sind denn auch das Hauptzugpferd dieser mittelgroßen Hochschule in Troy (nahe Albany). Aber auch die Wirtschaftswissenschaften sind mit der Lally School of Business stark vertreten. Viele RPI-Studierende kombinieren ihre Ingenieursausbildung mit Kursen aus der BWL und machen so faktisch einen Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen – ein Studienfach, das es in der Form in den USA nicht gibt.

Auch Rochester, die drittgrößte Stadt New Yorks, kann mit einer hervorragenden technischen Universität aufwarten: Das Rochester Institute of Technology (RIT) ist mit rund 18.000 Studierenden mehr als doppelt so groß wie das RPI und auch als „the city of brick“ bekannt, denn der gesamte weitläufige Campus ist aus rund 15 Millionen, eigens dafür hergestellten Ziegeln erbaut. Neben seiner modernen technischen Ausstattung besticht das RIT vor allem durch ein praxisnahes Bachelorstudium: Wie kaum eine andere US-Universität vermittelt RIT den Studierenden jährlich Tausende an größtenteils bezahlten Praktika, die auf das Studium angerechnet werden.

EastmanEbenfalls in Rochester zuhause: die University of Rochester, eine große private Forschungs-universität mit rund 10.000 Studierenden. Genau wie am Hamilton College wurden hier vor einigen Jahren alle Pflichtveranstaltungen im Bachelorstudium abgeschafft. Die Uni ist somit besonders attraktiv für eigenständige Studierende, die von intellektueller Neugier getrieben sind und sich für mehrere Fächer gleich stark interessieren. „Bei uns kann man ein Fach für sich selber und eins für die Eltern studieren“,  scherzt Jonathan Burdick, der an der University of Rochester die Zulassung zum Bachelorstudium leitet. Ein weiteres Juwel der Hochschule ist die Eastman School of Music (Foto), eines der besten Konservatorien der USA.

Flexibilität und Wahlmöglichkeiten bestimmen auch das Bachelorstudium an der Syracuse University in der gleichnamigen Stadt mitten im Staat New York. „Die Studierenden wechseln in den ersten Jahren oft mehrfach zwischen den verschiedenen Fakultäten hin und her, bevor sie sich auf ein oder zwei Hauptfächer festlegen“, erzählt Karen Bass, die für die Zulassung ausländischer Bewerber zuständig ist. Ihre besonderen Stärken hat die Universität unter anderem in der BWL (insbesondere im Bereich Entrepreneurship), der Publizistik und der Informationswissenschaft: Wer sich für Informationsmanagement, digitale Kommunikation und das Web 2.0 interessiert, findet mit der iSchool in Syracuse eine der weltweit besten Adressen.

Stipendien für ausländische Studierende

StudienfinanzierungAbiturienten aus Deutschland mit ordentlichen Noten haben gute Zulassungschancen bei allen genannten Hochschulen. Ein größere Schwierigkeit dürfte die Finanzierung darstellen, denn mit Studienkosten von rund 60.000 Dollar pro Jahr ist ein Bachelorstudium in Upstate New York – und in den USA allgemein – für die wenigsten bezahlbar.  Fast alle genannten Hochschulen bieten jedoch Stipendien und finanzielle Unterstützung an. Insbesondere die kleinen Liberal Arts Colleges vergeben im Falle einer erfolgreichen Zulassung Stipendien, die die Differenz zwischen dem, was das Studium kostet und was man aus eigener Tasche bezahlen kann, abdecken. Das kann bis hin zum Vollstipendium reichen. Allerdings ist klar, dass dafür neben sehr guten Schulnoten auch Top-Ergebnisse bei den Zulassungstests, überzeugende Empfehlungsschreiben von Lehrern und ein insgesamt attraktives Bewerbungsprofil nötig sind.

Zurück in der Finger-Lakes-Region sind wir inzwischen in Geneva (zu deutsch: Genf) angekommen, aber vor uns liegt nicht der Genfer See, sondern Seneca Lake, der größte der Finger Lakes. Direkt am Ufer liegt das kleine Hobart & William Smith College – eigentlich zwei Colleges in einem (Hobart für die Männer, William Smith für die Frauen), die sich aber bis auf ein paar Verwaltungsfunktionen alles teilen. Die Geschlechter lernen und leben gemeinsam. Auch hier wird interdisziplinäres Lernen und eine breite Bildung großgeschrieben. Statt ein vorgegebenes Kursprogramm zu absolvieren, wählen die Studierenden individuell ihre Kurse so, dass sie am Ende insgesamt acht allgemeine Lernziele erreichen, darunter die Entwicklung effektiver Kommunikationskompetenzen. Außerdem findet sich auf dem hübschen, aber unspektakulären Campus wider Erwarten auch eine der besten Architekturfakultäten der USA.

New York steckt eben voller Überraschungen, auch nördlich von Manhattan.

Dieser Artikel erschien zuerst im Oktober 2013 auf der Go out!-Webseite des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Alle Fotos: (c) Carsten Bösel

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Kompaktkurs zur ACT-Vorbereitung

Seitdem der College-Zugangstest SAT vor kurzem völlig verändert wurde, herrscht Unsicherheit in den Zulassungsbüros der amerikanischen Universitäten und bei Studienbewerbern. Wie gut ist die neue Version zu bewältigen? Und wie sind die Ergebnisse zu interpretieren? Daher gehen im Moment viele auf Nummer Sicher und belegen stattdessen den Konkurrenztest ACT – der hat sich nämlich in den letzten Jahren kaum verändert und wird von fast allen US-Hochschulen als gleichwertige Alternative zum SAT akzeptiert.

Tatsächlich belegen inzwischen mehr Amerikaner den ACT als den SAT. Nur im Ausland erscheint vielen der SAT als die bessere Wahl, dabei kann man beide Tests an zahlreichen Standorten auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz ablegen. Aus diesem Grund rate ich im Moment eher dazu, sich auf den ACT zu konzentrieren. Auch weil ein ACT-Ergebnis an renommierten US-Unis häufig die geforderten zwei SAT Subject Tests ersetzen kann, sofern man die optionale Writing-Komponente belegt.

In jedem Fall empfiehlt sich eine gründliche Vorbereitung. Als Einstieg in die ACT-Vorbereitung haben die Testprep-Profis bei unserem Partner ArborBridge nun ein neues, kleines Paket aufgelegt, bestehend aus:

  • Diagnostic Test (Feststellung des aktuellen Leistungsstands)
  • 6 Stunden Einzelunterricht mit einem persönlichen Tutor
  • 2 vollständigen ACT-Probetests mit ausführlicher Auswertung

Das Ganze findet mittels Videotelefonie und Desktop-Sharing komplett über das Internet anstatt, d.h. bequem von zuhause aus, wenn es zeitlich passt. Näheres zur innovativen Testvorbereitungs-Methodik von ArborBridge siehe hier. Der Preis für das neue 6-Hour ACT Program beträgt 1.100 US-Dollar. Bei Interesse einfach eine Nachricht über das Kontakformular senden. Ein Diagnostic Test für SAT oder ACT ist übrigens jederzeit kostenlos möglich!