Alles beim Alten: Die neuen Uni-Rankings aus den USA sind da

Ranking

Wer wissen will, welches die besten Universitäten der USA sind, schaut in die Rankings der Zeitschrift US News & World Report (USNWR). Jedes Jahr im Spätsommer erscheint eine neue Ausgabe der populären und einflussreichen „Best Colleges“-Ranglisten. Gestern war es wieder soweit.

Viel Neues gibt es allerdings nicht zu berichten, denn der neue Spitzenreiter bei den Universitäten ist auch der alte: Princeton University, zum dritten Mal in Folge auf Platz 1, gefolgt von Harvard, Yale, Columbia und Stanford. Auch in der Kategorie „Liberal Arts Colleges“ – das sind kleinere, sehr selektive Hochschulen, die sich auf die Bachelorausbildung konzentrieren – gab es kaum Bewegung: Diese Liste wird nun schon seit 13 Jahren vom Williams College angeführt, dahinter rangieren Amherst, Swarthmore, Bowdoin und Middlebury. Wie schön, dass sich die komplexe und unübersichtliche US-Hochschullandschaft in eine klare Hackordnung einteilen lässt, die noch dazu immer wieder bestätigt, was wir sowieso schon wussten: Die einschlägigen privaten Eliteuniversitäten sind die besten.

Oder?

Wer die Rankings zu Rate zieht, sollte sich wenigstens auch mit den Kriterien beschäftigen, aus denen sie errechnet werden. Zunächst muss man wissen, dass es hier ausschließlich um das Bachelorstudium geht, denn es handelt sich um die „Best Colleges“. Die Forschungsleistung einer Uni oder das Masterstudium spielen für das USNWR-Ranking überhaupt keine Rolle. Außerdem sucht man auch vergeblich nach einer Bewertung einzelner Studienfächer, wie es bei uns üblich ist. Gerankt wird die Hochschule als Ganzes; nur für die Fächer BWL und Ingenieurswesen hat USNWR separate Ranglisten. Es werden also Einrichtungen mit den unterschiedlichsten Profilen, Aufgaben und finanziellen Möglichkeiten in einen Topf geworfen. Manche finden das zu Recht fragwürdig.

Kritik an den Uni-Rankings

Auch sonst gibt es in US-Hochschulkreisen seit Jahren viel Kritik an den Rankings. Wichtigstes Kriterium mit 25 Prozent ist nämlich die Reputation. Da werden also zig Hochschulpräsidenten und Dekane gefragt, welche Institutionen nach ihrer subjektiven Meinung die besten sind. Wie viele Universitäten außer der eigenen kann man gut genug kennen, um sich ein fundiertes Urteil erlauben zu können? Eine Handvoll vielleicht. Beim Rest geht man nach der Reputation. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Wer oben ist, bleibt oben. Die Studienerfolgsquote trägt weitere 20 Prozent zum Ergebnis bei, ebenso wie bestimmte Merkmale der Professorenschaft (Qualifikation, Verdienst) und Betreuungsverhältnisse. 15 Prozent zählt die Selektivität in der Studentenauswahl. Nach dieser Logik ist die Hochschule am besten, die die meisten Bewerber ablehnen kann. 10 Prozent zählen die finanziellen Ressourcen sowie jeweils 5 Prozent die Spendenbereitschaft der Absolventen und Studienerfolgsquoten.

Mit anderen Worten: Die Kriterien sind sehr stark auf reiche, renommierte Privatuniversitäten zugeschnitten, und deshalb verwundert es auch nicht, dass sie es sind, die diese Ranglisten dominieren. Selbst ein vermeintliches objektives Kriterium wie die Studienerfolgsquote („Wie viel Prozent der Studierenden schließen ihr Studium nach spätestens 6 Jahren ab?“) ist trügerisch, denn natürlich können die überwiegend aus wohlhabenden Familien stammenden Studierenden an privaten Hochschulen sich ganz auf das Studium konzentrieren und es pünktlich abschließen, während Studierende an staatlichen Unis oft nebenbei jobben müssen, um über die Runden zu kommen. Das verzögert häufig das Studium, aber nicht unbedingt, weil die staatlichen Unis ihre Studierenden schlecht begleiten, sondern weil die soziale Mischung dort eine ganz andere ist.

Überhaupt fällt auf, dass die USNWR-Rankings fast nur Inputs messen, aber keine Outcomes – auch wenn es neuerdings eine „greater consideration of output measurements“ gibt, wie Ranking-Chef Robert Morse zu Protokoll gibt. Was die Studierenden eigentlich genau an den einzelnen Hochschulen lernen, welche Kompetenzen sie erwerben, wie der Einstieg in den Arbeitsmarkt klappt, wie hoch sie hinterher verschuldet sind – das alles wird nach wie vor nicht berücksichtigt. Zugespitzt gesagt ist dieses College-Ranking wie ein Restaurantführer, der behauptet, die besten Restaurants sind diejenigen, die den besten Ruf haben, die besten Zutaten verwenden und ihren Köchen das höchste Gehalt zahlen. Welche Rezepte verwendet werden und wie das Essen schmeckt, spielt keine Rolle.

Die Rankings als Startpunkt für die Recherche

Diese Kritikpunkte ändern freilich nichts daran, dass die USNWR-Rankings seit ihrem ersten Erscheinen 1985 die amerikanische Hochschulwelt radikal verändert und einen Wettbewerb in Gang gesetzt haben, bei dem kein Ende abzusehen ist. Keine Hochschule kann es sich heute leisten, sie zu ignorieren. Präsidenten sehen sich immer stärker unter Druck gesetzt, das Ranking ihrer Einrichtung aufzupolieren. Mit viel Geld, langem Atem und notfalls auch mit unerlaubten Tricks lässt sich daran auch durchaus etwas drehen. Zum Beispiel versucht inzwischen fast jede US-Hochschule, ihrer Bewerberzahlen nach oben zu katapultieren, damit anschließend mehr Bewerber abgelehnt werden können, denn das ist gut fürs Ranking. Auch Scheinspenden und frisierte Testergebnisse sind keine Seltenheit mehr.

Was heißt das nun alles für Schüler und Familien, die auf der Suche nach passenden Colleges und Universitäten in den USA sind? Ganz einfach: Nichts spricht dagegen, die Rankings als erste Orientierung zu konsultieren. Denn über eines geben sie tatsächlich sehr zuverlässig Auskunft, nämlich über die aktuelle Reputation einer Hochschule. Viel mehr aber auch nicht. Für eine kluge Auswahl kann das aber nur der Anfang sein. Andere Kriterien wie Fächerangebot, Curriculum, Forschungsschwerpunkte, Internationalität, Größe und Lage oder finanzielle Fördermöglichkeiten für Ausländer sind weitaus wichtiger, um ein gutes „match“ zu finden und somit die Bewerbungschancen zu erhöhen. Und dafür braucht es eine ausführliche Recherche.

Oder einen guten Studienberater.

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