Ab 2023: Der SAT-Test wird digital

silver magic keyboard

Das wurde aber auch Zeit: Ab März 2023 wird der SAT-Test, der für die Zulassung für ein Bachelorstudium an US-Universitäten benötigt wird, auf ein digitales Format umgestellt. Zunächst in den internationalen Testzentren, ab Frühjahr 2024 auch in den USA. Vorbei sind dann die Zeiten, in denen man beim Test ein Papierbüchlein vorgelegt bekommt und mit Bleistift Ovale auf einem Antwortbogen ausmalen muss. Künftig wird der Test am eigenen Laptop oder Tablet abgelegt, wie der Testveranstalter, das amerikanische College Board, kürzlich mitteilte. Die Organisation reagiert damit auf das nachlassende Interesse von Studienbewerbern am SAT – unter anderem weil der Konkurrenztest ACT bereits vor zwei Jahren auf digital umgestellt hat.

Was ist neu am digitalen SAT?

Mit der Umstellung auf das Computer-Format werden überdies zahlreiche Änderungen am SAT in Kraft treten, die dafür sorgen sollen, dass das Ablegen des Tests einfacher und weniger stressig ist. Hier die wichtigsten Änderungen gegenüber der aktuellen Version:

  • Der digitale SAT wird kürzer und dauert nur noch zwei Stunden (statt bisher drei).
  • Die einzelnen Texte zum Leseverständnis werden ebenfalls kürzer, und es muss pro Textpassage nur noch eine einzige Frage beantwortet werden. Außerdem bekommt man mehr Zeit pro Frage.
  • Der digitale SAT kann im Testzentrum am eigenen Laptop oder Tablet abgelegt werden. Dafür muss vor dem Testtermin die App Bluebook heruntergeladen und installiert werden.
  • Die Benutzung eines Taschenrechners wird für den kompletten Mathe-Abschnitt erlaubt (bisher nur für bestimmte Aufgaben).
  • Der Test wird „adaptiv“. Das bedeutet, dass zu Beginn der beiden Abschnitte jeweils ein Einführungs-Modul steht und anschließend der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben an die Leistung in diesem ersten Modul angepasst wird. Wer also bei den Einstiegsfragen schon Fehler macht, bekommt im weiteren Verlauf leichtere Aufgaben gestellt (die aber natürlich auch weniger Punkte einbringen).
  • Die Testergebnisse werden innerhalb weniger Tage verfügbar sein (anstatt wie bisher nach zwei Wochen).
  • Es wird zwei zusätzliche Testtermine außerhalb der USA geben, so dass internationale Bewerberinnen und Bewerber endlich ebenso viele Möglichkeiten haben, den SAT abzulegen, wie Schülerinnen und Schüler in den USA.

Und was bleibt gleich?

  • Obwohl nun der eigene Computer benutzt wird, muss der SAT weiterhin zu festgelegten Terminen in speziellen Testzentren abgelegt werden – nicht von zu Hause aus!
  • Die Höchstpunktzahl wird weiterhin 1.600 Punkte betragen (800 Punkte pro Abschnitt).
  • Die Fragen in beiden Abschnitten werden weiterhin überwiegend im Multiple-Choice-Format sein, mit Ausnahme einiger weniger Aufgaben im Mathe-Teil.
  • Wer wegen nachgewiesener Lernbehinderungen einen Nachteilsausgleich („accommodations“) benötigt, kann diesen auch weiterhin beantragen.

Wird der digitale SAT-Test leichter?

Die Ergebnisse der ersten Pilotstudien zeigen, dass viele Probanden den digitalen Test tatsächlich als leichter empfunden haben: Er dauert nur zwei Stunden, es gibt mehr Zeit pro Frage, Taschenrechner ist erlaubt und so weiter. Gleichzeitig stellt sich aber heraus, dass viele deutlich schlechter abgeschnitten haben, als sie selbst nach dem Test erwartet hätten – offenbar hat also oft der subjektive Eindruck getrogen. Denn natürlich hat das College Board viel Arbeit investiert, damit der digitale SAT genauso schwer oder leicht ist wie die analoge Version. Das sieht man unter anderem daran, dass die Punkteskala gleich bleibt und somit auch eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet sein soll.

Dies wird bei verkürzter Testdauer vor allem über die Methode des „adaptive testing“ erreicht, also die Anpassung des Schwierigkeitsgrades nach dem ersten Modul. Wer in die höhere Schwierigkeitsstufe gelangen möchte, muss gleich zu Beginn „voll da“ sein und möglichst wenig Fehler machen, denn ansonsten kommt man gar nicht erst in den Bereich mit den Aufgaben, die die volle Punktzahl bringen. Dies könnte bei einigen für Nervosität sorgen. Wie man damit am besten umgeht, erläutern die TestPrep-Experten unseres Partners Arborbridge. Außerdem ist klar: Wenn es insgesamt weniger Fragen sind, dann kostet jede falsch beantwortete Frage auch deutlich mehr Punkte. Um also eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen, muss man strategisch ein bisschen anders an den digitalen Test herangehen als früher.

Als Freemover in die USA: Die ultimative Uni-Liste

Als „Freemover“ werden Studierende bezeichnet, die nicht im Rahmen eines Austauschprogramms an eine Partneruniversität der eigenen Hochschule gehen, sondern sich ein oder zwei Auslandssemester selbstständig organisieren und finanzieren. Grund ist meistens, dass die Partnerunis nicht attraktiv genug sind oder keine passenden Angebote für bestimmte Fächer haben. Innerhalb Europas ist die Auswahl aufgrund der vielen Erasmus-Partnerschaften meistens groß genug, aber wer ein Austauschsemester in den USA verbringen will, ist mit den Möglichkeiten, die die eigene Uni bietet, oft nicht zufrieden. Hier heißt es: selber suchen (und selber bezahlen).

In 5 Schritten als Freemover in die USA

Im Rahmen der DAAD-Kampagne studieren weltweit: ERLEBE ES! hat Julia Kanning kürzlich eine hervorragende Anleitung gepostet, wie man bei der Organisation und Finanzierung eines Freemover-Studiums in den USA am besten vorgeht: In 5 Schritten als Freemover in die USA. Julia hat selbst als Freemover ein Semester an der Michigan State University verbracht und macht aktuell noch ein Praktikum in Washington DC. Sie weist unter anderem darauf hin, dass der neudeutsche Begriff „Freemover“ in den USA unbekannt ist und solche Gaststudierenden dort als „visiting students“ bezeichnet werden. Und dass ein Aufenthalt als „visiting student“ – also ohne eine Austauschvereinbarung mit der deutschen Heimathochschule – bei weitem nicht an allen US-Unis möglich ist.

Was in Julias Artikel noch fehlt ist eine Liste mit US-Universitäten, die prinzipiell offen sind für „visiting students“ aus dem Ausland. Und hier gibt es doch etliche, zum Teil sehr renommierte Hochschulen, die explizit ein „Visiting Student Program“ anbieten, darunter auch viele Unis der Ivy League und ähnlichen Kalibers. Klar ist natürlich, dass die Anzahl der Plätze begrenzt ist und dass gerade bei den namhaften Unis eine große Konkurrenz darum herrscht. Hier ist die Bewerbung deshalb sehr aufwändig, und neben hervorragenden Noten und Gutachten muss eine überzeugende fachliche Begründung her. An anderen, weniger selektiven Hochschulen ist es hingegen viel einfacher, einen Platz zu bekommen – es genügt das Erfüllen der Mindestanforderungen.

Die Liste: Universitäten für Free Mover in den USA

Hier nun also eine Liste von US-Hochschulen, die explizit ein Programm für „International Visiting Students“ aufgelegt haben. Ich denke, da ist für jeden und jeden etwas dabei. Die Bewerbung läuft direkt über die jeweilige Uni, manchmal auch über Agenturen in Deutschland, die Studierende dorthin vermitteln. Ich biete auch gerne eine Beratung dazu an. Übrigens: Auch wenn eine US-Universität kein solches Programm anbietet, ist keinesfalls ausgeschlossen, dass ein Gastaufenthalt möglich ist. Manchmal ist es dann nötig, sich regulär als „Transfer Applicant“ (Studienwechsler) zu bewerben, zum Beispiel über die Common App for Transfer. Einfach mal eine E-Mail an International Admissions schreiben und fragen. Viel Erfolg!

University of Arkansas
Visiting Student Program
https://international-students.uark.edu/visiting-students/index.php

Boston College
Visiting Students
https://www.bc.edu/content/bc-web/schools/wcas/sites/information-for/visiting-students.html.html

Boston University
Visiting Students
https://www.bu.edu/admissions/apply/additional-applicants/visiting/

Brown University (Rhode Island)
Visiting Student Program
https://admission.brown.edu/visiting-student-program

California State University – East Bay
Visiting Student Program
https://www.csueastbay.edu/alp/programs/visiting-student.html

University of California – Berkeley
Global Access Programs
https://extension.berkeley.edu/international/

University of California – Davis
Global Study Program
https://globalstudy.ucdavis.edu/

University of California – Los Angeles (UCLA)
Study Abroad at UCLA
http://international.uclaextension.edu/study-abroad/

University of California – San Diego
University & Professional Studies Program
https://extension.ucsd.edu/international-programs/university-and-professional-study-abroad?vAction=universityprofessionalstudies

University of California – Santa Barbara
University Immersion Program
https://professional.ucsb.edu/university-immersion-program

University of Cincinnati (Ohio)
Visiting Student Program (VSP)
https://www.uc.edu/international/services/future/vsp.html

Colgate University (Upstate New York)
Visiting Students (max. 1 Semester)
https://www.colgate.edu/admission-aid/apply/transfer-other-applicants

Columbia University (New York, Manhattan)
Visiting Student Program
http://www.studentaffairs.columbia.edu/admissions/applications/visiting.php

University of Dayton (Ohio)
Visiting Students
https://udayton.edu/international/isss/visiting_students_scholars/index.php

University of Denver
Visiting International Students
https://www.du.edu/abroad/exchange-students.html

Drew University (New Jersey)
Special and Visiting Students
http://www.drew.edu/continuing-education/about-us/non-matriculation-programs/

Duke University (North Carolina)
Visiting International Student Program (VIS)
https://globaled.duke.edu/vis

Harvard University
Visiting Undergraduate Students Program
https://college.harvard.edu/admissions/apply/visiting-undergraduate-students

Hawai’i Pacific University
Visiting Students
https://www.hpu.edu/undergraduate-admissions/international/visiting.html

Hofstra University (New York, Long Island)
Visiting Students
https://www.hofstra.edu/sfs/financialaid/financialaid_visiting_comp.html

Johns Hopkins University (Baltimore)
Visiting Students
https://apply.jhu.edu/visiting-and-exchange-students/

Kent State University (Ohio)
Exchange and Visiting Student Program
https://www.kent.edu/globaleducation/exchange-and-visiting-student-programs

University of Maine
Visiting Students
https://umaine.edu/international/international-admissions/visiting/

University of Miami (Florida)
Miami Semester
https://www.dcie.miami.edu/credit-degree-programs/miami-semester/index.html

Michigan State University
American Semester Program
https://americansemester.isp.msu.edu/interested-students/

University of Minnesota
GO Minnesota Undergraduate Semester
https://gominnesota.umn.edu/programs/undergraduate-semester

Mount Holyoke College (Massachusetts, nur Frauen)
Visiting International Students
https://www.mtholyoke.edu/admission/international/vis

The New School (New York, Manhattan)
Visiting Students
https://www.newschool.edu/international-affairs/visiting-students/

New York University (NYU)
Fall in NY / Spring in NY
https://www.nyu.edu/admissions/visiting-students.html

Northwestern University (Chicago)
International Non-degree Special Student Program
https://sps.northwestern.edu/non-degree-special-student/ndss-international.php

University of Pennsylvania (Philadelphia)
International Guest Student Program
https://www.sas.upenn.edu/lps/undergraduate/igsp

San Diego State University
Semester at SDSU
https://ali.sdsu.edu/semester-at-sdsu-program

St. John’s University (New York, Queens)
Visiting Students
https://www.stjohns.edu/admission/other-programs/visiting-students

University of Wisconsin – Madison
Visiting International Student Program
https://visp.wisc.edu/

Yale University
Non-degree Students Program
http://admissions.yale.edu/non-degree-students-program

Stand: Januar 2022. Kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Kein US-Visum mehr ohne Preisgabe von Social Media-Konten

Die US-Regierung arbeitet leider weiter daran, dass junge Leute sich beim Auslandsstudium lieber für Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland oder die Niederlande entscheiden als für ein Studium in den USA. Nachdem vor ein paar Tagen bekannt wurde, dass die Gebühren für ein US-Studentenvisum auf teilweise mehr als 500 Euro steigen, werden ab sofort alle Antragssteller verpflichtet, ihre User-Namen für Social-Media-Profile sowie Telefonnummern und E-Mail-Adressen der letzten fünf Jahre anzugeben. Das bedeutet, dass diese Accounts und Adressen vor der Bewilligung eines Visums intensiv von den US-Behörden gescreent werden. Bisher wurden diese „background checks“ nur bei Antragstellern durchgeführt, die zuvor in Ländern waren, die von Terrororganisationen kontrolliert werden. Nun sind im Namen der nationalen Sicherheit alle betroffen.

Der Hintergrund dieser Maßnahme ist die Tatsache, dass sich in den USA ein Netzwerk aus dubiosen Agenturen, Sprachschulen und Community Colleges entwickelt hat, die als Einfallstor für illegale Einwanderung dienen: Es wird ein Studentenvisum ausgestellt, aber vor Ort müssen die vermeintlichen Sprachschüler oder Studierenden dann so gut wie keine Kurse belegen – sind aber mit dem Studentenvisum legal ins Land gekommen und können erstmal untertauchen. Da die Bildungsanbieter dieses Schlupfloch hauptsächlich über soziale Netzwerke und Whatsapp bewerben, erhoffen sich die US-Behörden aus dem Social-Media-Screening schon bei der Antragstellung Hinweise darauf, ob es sich um „ernsthafte“ Bewerber handelt oder ob die Studienabsicht nur vorgetäuscht ist. Wer im Vorfeld keinerlei Kontakte dieser Art hatte, wird selbstverständlich nicht behelligt. Heißt es. Aber die Vorstellung, dass US-Beamte unsere Social-Media-Aktivitäten der letzten fünf Jahre durchleuchten, dürfte trotzdem bei vielen eine Aversion auslösen.

Wichtig: Diese neue Regelung betrifft nicht das visumsfreie Reisen in die USA (bis zu 90 Tage für touristische/geschäftliche Zwecke), für das die meisten EU-Bürgerinnen und Bürger lediglich eine elektronische Einreiseerlaubnis (ESTA) benötigen. Es geht um diejenigen, die ein F-1 Visum für Studien- oder Sprachkursaufenthalte in den USA beantragen müssen.

Visum für USA-Studium: Gebühren werden drastisch erhöht

Schlechte Nachrichten für alle, die in den USA studieren, einen Sprachkurs belegen oder ein Praktikum machen möchten: Wie die US-Einwanderungsbehörde soeben mitgeteilt hat, werden ab dem 24. Juni 2019 die sogenannten SEVIS-Gebühren, die bei der Beantragung eines Visums in den relevanten Kategorien F und J zu entrichten sind, drastisch erhöht:

  • F-1 Visum (für Studium, Sprachkurs): aktuell 200, dann 350 US-Dollar
  • J-1 Visum (für Schüleraustausch, Praktikum, Studium): aktuell 180, dann 220 US-Dollar

Hintergrund: Die SEVIS-Gebühr wurde nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eingeführt, um das neue „Student and Exchange Visitor Information System“ zu finanzieren – eine Datenbank, in der Informationen zu allen Ausländern erfasst werden, die für Schüleraustausch, Sprachkurs, Au Pair, Studium oder Praktikum in die USA kommen. (Die 9/11-Attentäter waren nämlich damals mit einem entsprechenden Visum eingereist und anschließend vom Radar der Regierung verschwunden – das sollte nicht noch einmal passieren.) Die Kosten für dieses Informationssystem hat die US-Regierung freundlicherweise den ausländischen Bewerbern aufgebürdet. Und nun wird die Gebühr erstmals seit 2008 wieder erhöht, und zwar kräftig.

Ein Studentenvisum für die USA kostet knapp 500 Euro

Wohlgemerkt ist die SEVIS-Gebühr zusätzlich zur eigentlichen Visumsgebühr (Konsulatsgebühr) zu bezahlen, die momentan umgerechnet 144 Euro beträgt (160 US-Dollar, Stand: 24. Mai 2019). Insgesamt kostet ein Studentenvisum für die USA also bald gute 450 Euro. Da man außerdem persönlich in einem US-Konsulat in Berlin, Frankfurt oder München vorstellig werden muss (meist eine reine Formalie), kommen für viele Antragsteller auch noch Reisekosten hinzu. Wer sich anschließend seinen Reisepass inklusive Visum per Kurierdienst zurücksenden lassen möchte (empfehlenswert), zahlt noch einmal 18 Euro extra. Insgesamt dürften damit die meisten Antragsteller um die 500 Euro und mehr für das F-1 Visum zahlen.

Bei Studiengebühren von jährlich bis zu 55.000 Dollar mag das nicht weiter ins Gewicht fallen. Aber auch diejenigen, die für ein oder zwei Semester mit einem Stipendium in die USA gehen und vielleicht eher knapp bei Kasse sind, müssen diese Kosten tragen. Besonders ärgerlich ist es für alle, die nur für ein paar Wochen einen Sprachkurs in den USA machen wollen, denn auch dies erfordert häufig ein F-1 Visum und zieht die genannten Gebühren nach sich. Da kostet dann das Visum so viel wie eine ganze Woche Sprachkurs! Hier kann man nur dazu raten, beim Sprachkurs unter 18 Stunden pro Woche zu bleiben, denn dann ist der Kurs nicht visumspflichtig. Deutsche Staatsbürger können ihn im Rahmen des visumsfreien Reisens (Visa Waiver Program) absolvieren, für das lediglich eine elektronische Einreiseerlaubnis (ESTA) erforderlich ist, die 14 Dollar kostet.

Die neuen SEVIS-Gebühren gelten ab dem 24. Juni 2019. Wer also das I-20-Formular von der Uni oder der Sprachschule bereits erhalten hat, sollte seine SEVIS-Gebühr unbedingt vor diesem Stichtag bezahlen, auch wenn der Konsulatstermin erst im Juli oder August ist.

Kurz vorgestellt: American University

Frage: Warum studieren an der American University so viele internationale Studenten? Antwort: Weil sie bei der Google-Suche nach US-Hochschulen die Begriffe „American“ und „university“ eingeben und dann die erstbeste Uni nehmen, die angezeigt wird … Dieser Witz ist häufiger zu hören auf dem Campus dieser mittelgroßen privaten Universität (rund 13.000 Studenten) in Washington D.C. Zusammen mit der Georgetown University und der George Washington University zählt sie zu den „Großen Drei“ in der US-Hauptstadt. Anders als diese beiden liegt die American University aber nicht mitten in der Stadt, sondern etwas abseits in Tenleytown, einem ruhigen und sicheren Wohnviertel, das aufgrund der zahlreichen Botschaftsgebäude auch als „Embassy Row“ bekannt ist. Von dort ist man mit der Metro in zehn Minuten Downtown und kann sich den unzähligen Restaurants, Museen, Bars und Veranstaltungen der Hauptstadt widmen.

International und politisch

Der Name „American University“ klingt zunächst recht konservativ und staatstragend. Tatsächlich ist diese 1893 gegründete Hochschule in vieler Hinsicht alles andere als eine typische amerikanische Universität. Das fängt schon damit an, dass es auf dem Campus extrem multinational zugeht: Rund 10 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland; etwa 150 Länder sind vertreten. Diese internationale Atmosphäre ist auch für viele amerikanische Bewerber ein Grund, sich für American zu entscheiden. Und mehr als die Hälfte (!) verbringt einen Teil des Studiums im Ausland. Außerdem sind die Studierenden hier politisch äußerst interessiert und aktiv: Dass auf Partys die ganze Nacht über die Reform des Gesundheitswesens oder das System der Wahlkampfspenden diskutiert wird, ist keine Seltenheit. Auch wer anfangs keine Ahnung von der US-Politik hat, kommt an American kaum an den Fragen vorbei, die die Nation bewegen. Dabei sind die Studierenden überwiegend linksliberal gesinnt und mischen sich aktiv ein. Ein bunter, quirliger Haufen, weniger abgehoben-elitär als bei den berühmteren Nachbarn.

Top-Programme in BWL und International Studies

Auch akademisch ist die American University am stärksten in Politikwissenschaft, Wirtschaft, Jura und Journalismus aufgestellt. Die Kogod School of Business (Foto rechts) zählt zu den besseren Adressen für ein BWL-Studium in den USA. Weltweite Berühmtheit genießt jedoch vor allem die School of International Service (SIS), an der Bachelorstudenten einen B.A. im Fach „International Studies“ machen können. Dabei werden globale Entwicklungen aus Themenfeldern wie Friedens- und Konfliktforschung, Weltwirtschaft, Außen- und Sicherheitspolitik, Menschenrechte, Ungleichheit und Entwicklungspolitik mit jeweils regionalen Schwerpunkten aus politik-, wirtschafts-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive betrachtet. Wer sich für diese Themen begeistert, findet an keiner anderen US-Universität ein derart umfangreiches Angebot. Unnötig zu erwähnen, dass der Studiengang durch den Standort in der US-Hauptstadt unzählige Möglichkeiten bietet, das Gelernte durch Praktika zu bereichern und den Berufseinstieg vorzubereiten. Weitere akademische Stärken finden sich außerdem in den künstlerischen Fächern.

In punkto Reputation und Niveau reicht die American University sicher (noch) nicht ganz an den großen Konkurrenten Georgetown University heran. Aber mit ihrer Betonung auf „real-world experience“ wird auch ein anderer Schwerpunkt gesetzt: Die Praxisorientierung steht bei American im Vordergrund; viele Dozenten haben jahrelange Berufserfahrung in Politik und Wirtschaft gesammelt und geben diese an die Studierenden weiter (Vitamin B inklusive). Wie an jeder anderen US-Universität müssen auch die Bachelorstudenten an American unabhängig von ihrem Hauptfach zunächst ein Studium Generale absolvieren. Hierfür müssen jeweils zwei Kurse aus fünf sogenannten „Foundational Areas“ absolviert werden: „The Creative Arts“, „Traditions that Shape the Western World“, „The Global and Cross-Cultural Experience“, „Social Institutions and Behavior“ und „The Natural and Mathematical Sciences“. Auch an dieser thematischen Gruppierung zeigt sich, dass American einen etwas anderen Weg geht als viele andere US-Universitäten.

Studium in Washington D.C.

Mehr als zwei Drittel der Studierenden leben in Wohnheimen auf dem Campus, vor allem während der ersten beiden Studienjahre. Das Sozialleben spielt sich ebenfalls größtenteils auf dem Campus ab, aber natürlich lockt auch das hauptstädtische Nachtleben in den Ausgehbezirken Georgetown oder DuPont Circle – wenn auch die meisten Clubs erst ab 21 Jahren Einlass gewähren. Hinzu kommen die zahllosen Museen, Denkmäler und Kunstgalerien, die es zu besichtigen gilt; nicht zu vergessen die Live-Musik-Szene der Stadt. Die Universität selbst lockt regelmäßig bekannte Redner auf den Campus und bietet mit hunderten von studentischen Gruppierungen jeder und jedem eine passende Betätigung. Insgesamt sind die Studierenden der American University dafür bekannt, eine gute Balance aus Studium und Freizeit zu finden. Nur die Sportbegeisterung lässt zugunsten der Politik etwas zu wünschen übrig; auch in diesem Punkt ist die Uni eher unAmerican.

Kosten und Stipendien

Die Studiengebühren für ein Bachelorstudium an der American University betragen zurzeit rund 48.000 US-Dollar pro Jahr. Nimmt man Unterkunft und Verpflegung auf dem Campus hinzu, belaufen sich die Kosten auf rund 65.000 US-Dollar pro Jahr. Dies klingt sehr teuer – und ist es auch! – liegt aber noch deutlich unter dem, was die Konkurrenz in Washington D.C. verlangt. Zumal die American University speziell für leistungsstarke internationale Studenten eine Vielzahl an sogenannten „merit-based scholarships“ zwischen 8.000 und 20.000 US-Dollar pro Jahr vergibt – Stipendien also, bei denen es nicht auf die Zahlungskraft der Eltern, sondern allein auf besondere schulische und außerschulische Leistungen ankommt. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die American University von ausländischen Bewerbern keine Ergebnisse aus dem Eignungstest SAT oder ACT verlangt. Die Bewerbungsfrist bei einem geplanten Studienbeginn im Herbst ist jeweils der 15. Januar eines Jahres.

Weitere Beiträge in der Reihe „Kurz vorgestellt“:

Fotos (c) American University. Used by permission.

Einmal Karibik und zurück: Studium und Praktikum in USA kombinieren

Es könnte so einfach sein: ein Gastsemester in den USA, vorher vielleicht noch ein Sprachkurs vor Ort, nebenbei jobben und anschließend ein Praktikum bei einem amerikanischen Unternehmen – und alles mit ein und demselben Visum. Doch leider gehören einfache und flexible Lösungen nicht zu den größten Stärken des US-Einwanderungsrechts. Insbesondere die Kombination von Studium und Arbeit ist nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Hier ein kleiner Wegweiser durch die begrenzten Möglichkeiten. Ich warne schon mal vor, es wird etwas technokratisch.

Unterschiedliche Visumskategorien

Zunächst: Wer in den USA einen Sprachkurs belegen, studieren oder arbeiten will, benötigt fast immer ein Visum. Je nachdem, um welches Vorhaben es sich handelt, gibt es unterschiedliche Visumskategorien. Für einen Sprachkurs oder ein selbstorganisiertes Studium wird in der Regel ein F-1 Studentenvisum ausgestellt. Kommt der Aufenthalt durch eine Kooperation zwischen der deutschen und der US-Hochschule zustande, kann es auch ein J-1 Austauschbesuchervisum sein. In beiden Fällen stellt die gastgebende amerikanische Sprach- oder Hochschule nach erfolgter Zulassung ein Visumsvordokument aus, das später bei der Beantragung des jeweiligen Visums im US-Konsulat vorgelegt werden muss.

Für ein Praktikum (internship) wird in aller Regel ein J-1 Austauschbesuchervisum benötigt. Aber Achtung, jetzt wird’s schon kompliziert: Denn die Kategorie J-1 umfasst mehrere Unterkategorien. Ein J-1 Visum in der Kategorie „student“ (siehe oben) ist nicht das gleiche wie eines in der Kategorie „intern“. Außerdem wird das benötigte Vordokument nicht vom US-Arbeitgeber ausgestellt, sondern von einem „legal sponsor“, d.h. einer vom US-Außenministerium autorisierten Mittlerorganisation. Wie das genau funktioniert, könnt ihr hier nachlesen. Wir halten fest: Sprachkurs/Studium und Praktikum/Arbeiten sind einwanderungsrechtlich gesehen zwei Paar Schuhe und nicht ohne weiteres kombinierbar.

Praktikum im oder nach dem Studium

Ein paar Möglichkeiten gibt es aber doch. Zum Beispiel dürft ihr mit dem Studenten- oder Austauschbesuchervisum bis zu 20 Std./Woche auf dem Campus der US-Gasthochschule arbeiten, sei es in der Bibliothek, in der Cafeteria oder auch bei McDonald’s, falls es eine Filiale auf dem Campus gibt. Solche Jobs sind allerdings für ausländische Gaststudierende nicht leicht zu finden, denn oft ist eine längerfristige Beschäftigung erwünscht. Außerdem dürfte bei einem Semesteraufenthalt kaum Zeit für einen Nebenjob sein. Ein Praktikum im Anschluss an den Studienaufenthalt ist daher die bessere Option.

Am einfachsten habt ihr es, wenn ihr mindestens zwei Semester in den USA studiert. Denn dann bietet das F-1 Visum die Möglichkeit eines studienbezogenen Praktikums, das entweder als „Optional Practical Training“ (OPT) oder „Curricular Practical Training“ (CPT) bezeichnet wird. Das OPT kann maximal 18 Monate, das CPT maximal 12 Monate dauern – in keinem Fall aber länger als die Studienzeit. Das heißt wer zwei Semester an einer US-Hochschule verbringt, kann auch „nur“ ein maximal neunmonatiges Praktikum dranhängen. Bevor es losgehen kann, benötigt ihr die Zustimmung der US-Hochschule und die Genehmigung des Department of Homeland Security.

Auch diejenigen, die mit einem J-1 Austauschbesuchervisum in den USA studieren, können im Anschluss ein studienbezogenes Praktikum absolvieren, das dann als „Academic Training“ bezeichnet wird und maximal 12 Monate dauern darf.  Oft müsst ihr auch bei dieser Variante mindestens zwei aufeinanderfolgende Semester an der US-Gasthochschule studieren, bevor ihr diese Option wahrnehmen könnt. Und wiederum benötigt ihr die Zustimmung der Hochschule und des Department of Homeland Security.

Kurzaufenthalte: Sprachkurs/Gastsemester plus Praktikum in den USA

Wie sieht es nun aber für diejenigen aus, die einen Sprachkurs belegen oder nur ein Semester in den USA studieren wollen oder können? In diesem Fall gibt es die Optionen OPT, CPT und Academic Training in der Regel nicht. Sprachkurs/Studium und Praktikum müssen daher getrennt voneinander – und das heißt: über zwei verschiedene Visumskategorien – organisiert werden. Wer mit sich mit einem F-1 Visum in den USA aufhält, kann sich vor Ort ein Praktikum organisieren und dann bei den US-Einwanderungsbehörden eine Statusanpassung, d.h. einen Wechsel von Kategorie F-1 zur Kategorie J-1 („intern“) beantragen. Das kostet aber richtig Geld ($340) und dauert oft Wochen, wenn nicht Monate. Bevor der Antrag nicht genehmigt ist, kann es mit dem Praktikum nicht losgehen.

Die bessere Option ist daher, Sprachkurs/Studium und Praktikum bereits von Deutschland aus klar zu machen und beide Visa (F-1 und J-1 Intern) gleichzeitig zu beantragen. Das geht. Allerdings müsst ihr dann zwischen den beiden Vorhaben aus den USA aus- und wieder einreisen, zum Beispiel durch einen kleinen Abstecher nach Kanada, Mexiko oder in die karibischen Inseln. Und ein gewisses Restrisiko bleibt, denn die Wiedereinreise ist nicht garantiert: Wer bei den Grenzbeamten Misstrauen hervorruft, muss unter Umständen die Heimreise antreten.

Einige Sprachreiseanbieter in Deutschland werben mit dem Angebot „Sprachkurs und Praktikum“ in den USA. Hier ist etwas Vorsicht angebracht, denn wie wir nun wissen, geht das eigentlich nicht. Der Trick bei diesen Angeboten ist, dass das „Praktikum“ als besondere Form des Englischlernens deklariert wird und somit gar keine Arbeit ist, sondern Sprachunterricht. Das heißt aber, dass es sich bei diesen Praktika nicht um Vollzeit-Stellen handeln kann, sondern um ein paar Stunden pro Woche, und dass man nicht erwarten sollte, hier sonderlich anspruchsvolle Aufgaben zu erhalten, denn man soll ja offiziell keine Arbeitserfahrung sammeln, sondern Englisch lernen.  Je nachdem, wie umfangreich der Arbeitseinsatz ist und welche Verantwortung übertragen wird, kann man hier in eine einwanderungsrechtliche Grauzone geraten.

Keine Einreise mit zwei verschiedenen J-Visa

Die Rückkehr nach Deutschland ist auch die einzige Möglichkeit für alle, die nur ein Semester mit dem J-1 Student Visum in den USA studieren und danach ein selbstorganisiertes Praktikum mit dem J-1 Intern Visum machen möchten. Da die amerikanische Gesetzgebung es verbietet, zwei J-1 Visa gleichzeitig auszustellen, müsst ihr in diesem Fall zwischendurch zurück nach Hause und dort für das Praktikum ein neues J-1 Visum beantragen.

Doch nicht immer muss es so kompliziert sein: Eine einfache und großzügige Regelung bietet das US-Einwanderungsrecht immerhin für diejenigen, die vor oder nach dem Studienaufenthalt noch ein wenig Urlaub in den USA machen möchten. Bis zu 30 Tage vor dem offiziellen Beginn des Studiums darf man einreisen und bis zu 60 Tage (F-1 Visum) oder 30 Tage (J-1 Visum) nach Beendigung des Programms im Land bleiben, ohne dass es weiterer Formalien bedarf.

Video-Tour: Diese 9 Unis in Boston muss man kennen!

Boston ist die US-Studentenmetropole schlechthin. Nirgendwo sonst gibt es eine solche Dichte an exzellenten Colleges und Universitäten: Mehr als 50 sind es, wenn man nicht nur Boston selbst, sondern die gesamte Region betrachtet. Und doch hat man im Ausland oft nur von Harvard und MIT gehört – dabei hat die Region so viel mehr zu bieten! Im Juli 2016 habe ich gemeinsam mit anderen Studienberatern aus aller Welt neun herausragende und höchst unterschiedliche Hochschulen in Boston besucht. Meine Kamera war immer dabei, und so freue ich mich, jetzt den Film THE BOSTON COLLEGE TOUR: 9 UNIVERSITIES IN 9 MINUTES zu präsentieren – ein Kurztrip durch die vielfältige Hochschullandschaft der Stadt, der hoffentlich Lust auf mehr macht. Für Fragen und Beratung zum Studium in Boston stehe ich natürlich gern zur Verfügung. Viel Spaß!

Im Video sind zu sehen (in dieser Reihenfolge): Suffolk University ++ Emerson College ++ Boston University ++ Tufts University ++ Wellesley College ++ Babson College ++ Bentley University ++ Brandeis University ++ Northeastern University. Mehr Informationen zu diesen Hochschulen auf https://consultUS.org/study-in-boston.

Kurz vorgestellt: Princeton University

Unter den „Großen Drei“ der amerikanischen Ivy League Universitäten (Harvard-Yale-Princeton) ist die Princeton University in Princeton (New Jersey) mit nur rund 7.500 Studierenden (davon 5.000 im Bachelorstudium) die kleinste. Damit besetzt die Hochschule unter den Super-Eliteuniversitäten der USA eine besondere Nische. Denn einerseits handelt es sich um eine führende Forschungsuniversität mit zahlreichen Spitzenforschern auf allen Gebieten, andererseits haben diese Star-Professoren  aufgrund der relativ geringen Zahl an Masterstudierenden und Doktoranden die Möglichkeit, einen Großteil ihrer Aufmerksamkeit den Bachelorstudierenden zu widmen. Das bedeutet: eine intensive Betreuung und viele Möglichkeiten für anspruchsvolle eigene Studienvorhaben unter Anleitung eines Hochschullehrers. Auch in punkto Location hebt sich Princeton von der Konkurrenz ab: Während Harvard Teil der Ostküstenmetropole Boston ist und New Haven (Yale) noch immer zu den US-Städten mit der höchsten Kriminalitätsrate zählt, ist das Städtchen Princeton (ca. 25.000 Einwohner) klein, wohlhabend und weitgehend sicher.

Der beeindruckende Campus der Universität erinnert mit seiner überwiegend neugotischen Architektur an Oxford, Cambridge und Harry Potter. (Eine virtuelle Tour mit vielen Fotos gibt es hier.) Besonders ins Auge stechen die riesige, reich verzierte Universitätskirche und der Cleveland Tower, der sich majestätisch über die Baumwipfel erhebt. Andere Gebäude wie die mehr als 250 Jahre alte Nassau Hall sind im Kolonialstil gehalten, während einige moderne Einrichtungen von führenden Architekten wie Robert Venturi und IM Pei entworfen wurden. Insgesamt aber sieht Princeton haargenau so aus, wie man sich eine Ivy League Universität vorstellt. Noch immer hält sich übrigens hartnäckig die (widerlegte) Legende, dass der Begriff „Ivy League“, der sich eigentlich nur auf die Mitgliedschaft in einer Sportliga bezieht, seinen Ursprung in den Efeuranken an den Mauern von Nassau Hall hat. Das Ganze wirkt sehr gediegen und exklusiv, und obwohl Geld bei der Zulassung keine Rolle spielt, hängt Princeton nachhaltig der Ruf an, eine Bastion des privilegierten Neuengländer Geldadels zu sein. Tatsächlich ist die sozioökonomische Mischung der Studentenschaft aber kaum anders als an den anderen Ivy League Hochschulen.

Unterschied zu Harvard und Yale: Fokus auf das Bachelorstudium

West_College_PrincetonWas Princeton von den anderen Ivy League-Institutionen unterscheidet, ist vor allem der starke Fokus auf das vierjährige Bachelorstudium. Für eine Forschungsuniversität bietet Princeton den Bachelorstudenten einen ungewöhnlich engen Kontakt zu den Professoren. Selbst die Einführungsvorlesungen werden nicht, wie oft an größeren Einrichtungen, von wissenschaftlichen Assistenten und Doktoranden gehalten, sondern fast immer von den berühmten Professoren höchstpersönlich. Das Freshman Seminar Program, an dem rund zwei Drittel aller Studienanfänger teilnehmen, bietet weitere Möglichkeiten, gleich zu Beginn des Studiums einen engen Kontakt zum Lehrpersonal aufzubauen. Bei diesem Programm können sich die Studierenden in kleinen Gruppen in eines von mehr als 60 Themen vertiefen und dabei das Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens lernen.

Alle Bachelorstudierenden müssen zudem unabhängig von ihrem Hauptfach eine Art Studium Generale absolvieren, zu dem unter anderem Kurse in Erkenntnistheorie, Ethik, Literatur, Geschichte, Mathematik und Naturwissenschaft gehören. Das ist an den meisten US-Universitäten so. Wer an Princeton studiert, muss allerdings im dritten Studienjahr zusätzlich zum normalen Kurspensum noch zwei längere eigenständige Arbeiten zu je 30 Seiten verfassen. Außerdem ist Princeton eine der wenigen US-Universitäten, an denen die Bachelorstudierenden im letzten Studienjahr eine lange Abschlussarbeit („senior thesis“) erstellen müssen, die einer Masterarbeit in Deutschland in nichts nachsteht. Viele Absolventen sagen, die Arbeit an ihrer „senior thesis“ sei eine ihrer besten Erfahrungen an Princeton gewesen. Aus all dem dürfte deutlich werden, dass das Niveau hier höchst anspruchsvoll ist, und die Bestnote „A“ ist bedeutend schwieriger zu bekommen als an anderen Elitehochschulen, wo oftmals noch immer die berüchtigte „grade inflation“ vorherrscht.

Natürlich bringt die überschaubare Größe der Universität auch einige Nachteile mit sich, denn die Auswahl an Kursen ist dadurch kleiner als an größeren Einrichtungen. Aber ein Mangel an Masse bedeutet keineswegs einen Mangel an Klasse. Bei den Studiengängen gehören Mathematik, Philosophie, Anglistik, Physik, VWL, Molekularbiologie, Verwaltungswissenschaft und Romanistik zum Besten, was die USA zu bieten haben. Auch die Ingenieurwissenschaften sind stark vertreten. Eine der bekanntesten Einrichtungen ist  die renommierte politikwissenschaftliche Woodrow Wilson School of Public and International Affairs, benannt nach dem ehemaligen US-Präsidenten, Friedensnobelpreisträger und Princeton-Absolventen Woodrow Wilson.

Studentenleben: Gemeinsames Wohnen und exklusive Clubs

Whitman_College_PrincetonDie Mehrheit der Princeton-Studierenden ist eher konservativ-traditionell eingestellt, und wer einen politisch aktiven Campus sucht, sollte sich andernorts umsehen. Um die sozialen Kontakte der Studierenden untereinander zu verbessern, hat die Hochschule kürzlich ihre Wohnheime zu sogenannten Residential Colleges gruppiert (Foto rechts: Whitman College), in denen die Studierenden in den ersten beiden Jahren gemeinsam wohnen, essen und Aktivitäten nachgehen. Die Studierenden im dritten und vierten Studienjahr hingegen sind häufig Mitglied in sogenannten Eating Clubs, die Studentenverbindungen ähneln und einen Großteil des Soziallebens auf sich vereinen. Ähnlich wie bei den fraternities/sororities handelt es sich dabei um Bastionen des Traditionalismus, zu denen der Zugang entweder per Losentscheid oder Auswahlverfahren vergeben wird.  Die beiden ältesten Eating Clubs – der Ivy Club und der Tiger Inn – wurden erst 1991 gerichtlich dazu gezwungen, auch Frauen aufzunehmen. Mit Mitgliedsgebühren von rund $5.000 pro Jahr ist der Ivy Club auch die teuerste Verbindung. Die Spaltung, die diese exklusiven Cliquen in die Princeton-Studierendenschaft bringen, soll durch die anhaltende Anbindung an die „Residential Colleges“ vermindert werden. Vereint sind außerdem alle in der Begeisterung für den Princeton den Sport und die Spiele der „Tigers“ (insbesondere Football und Basketball).

Bewerbung und Zulassung an Princeton

Genau wie an den anderen renommierten US-Universitäten herrscht um die Zulassung an Princeton extreme Konkurrenz. In diesem Jahr (2016) wurden von rund 29.000 Bewerbern nur knapp 1.900 zugelassen; das entspricht einer Quote von 6,5 Prozent – ein neuer (Minus-)Rekord. Zur Bewerbung gehören neben den schulischen Leistungen seit einschließlich Klasse 9 auch Ergebnisse aus den Eignungstests SAT oder ACT sowie zwei SAT Subject Tests. Dass die Schulnoten absolut top sein müssen, versteht sich von selbst – rund die Hälfte der angenommenen Bewerber hatte die Bestnote 1,0 (bzw. 4,0 im US-Notensystem).

Aber Top-Noten und Spitzenwerte in den Tests sind nicht alles, denn das können fast alle Bewerber vorweisen. Für eine erfolgreiche Zulassung kommt es darauf an, der Universität zu zeigen, was einen darüber hinaus auszeichnet. Auf der Webseite heißt es:

We look for students who make a difference in their schools and communities, so tell us about your leadership activities, interests, special skills and other extracurricular involvements. Tell us if you’ve had a job or a responsibility in your home. Most Princeton students were academic standouts in high school. Most of them also invested their energy and talents in significant ways outside the classroom. We want to know what you care about, what commitments you have made and what you’ve done to act on those commitments.

Kurz gesagt: Ein 1,0-Abitur und dreimal die Woche Sport genügen nicht. Princeton sucht Schüler, die für eine oder mehrere Sachen brennen, rausgehen und etwas auf die Beine stellen. Außerdem kommt es natürlich darauf an, die eigene Persönlichkeit durch einprägsame Essays in bestem Licht zu präsentieren. Hier ein aktuelles Beispiel für einen erfolgreichen Ivy-League-Essay.

Geld spielt keine Rolle: Kosten und Stipendien

Firestone_Library_PrincetonDie Kosten eines Studiums an Princeton betragen zurzeit insgesamt rund $64.000 pro Jahr, inklusive Studiengebühren, Unterkunft und Verpflegung. Natürlich zahlen bei weitem nicht alle Studierenden diese hohe Summe, sondern nur diejenigen, die es sich leisten können. Alle anderen (rund zwei Drittel) erhalten zum Teil erhebliche Finanzbeihilfen von der Universität und/oder der US-Regierung. Für die Zulassung spielt die Zahlungsfähigkeit überhaupt keine Rolle, denn Princeton arbeitet nach dem Prinzip der „need-blind admission“: Die Zulassungsentscheidung wird ohne Ansehen der finanziellen Möglichkeiten der Bewerber getroffen. Stellt sich dann heraus, dass ein angenommener Bewerber das Studium nicht aus eigener Tasche bezahlen kann, zahlt die Universität die Differenz zwischen dem, was die selbst aufbringen kann, und den Gesamtkosten – bis hin zum Vollstipendium. Und es kommt noch besser: Princeton ist eine von zurzeit nur fünf US-Universitäten, die diese Praxis auch auf ausländische Bewerber anwenden! Hier gilt also tatsächlich, dass ein USA-Studium am Geld nicht scheitern muss. Die eigentliche Hürde besteht freilich darin, überhaupt zu den auserwählten 6 Prozent zu gehören, die eine Zusage erhalten.

Weitere Beiträge in der Reihe „Kurz vorgestellt“:

Fotos: (c) Pete Spiro / Shutterstock.com, Wikipedia

Study World-Messe: 16 US-Unis in Berlin

Zum elften Mal steigt am kommenden Wochenende (22.-23. April 2016) die Study World-Messe in Berlin: Deutschlands größte internationale Messe für Studium und Karriere im In- und Ausland. Wie immer eine hervorragende Gelegenheit, aus erster Hand Informationen zu Bachelor- und Masterstudiengängen, internationalen Studienprogrammen, Weiterbildungsangeboten, Auslandspraktika und Finanzierungsmöglichkeiten zu bekommen. Trotz umfangreicher Informationen im Internet: Es geht doch nichts über ein persönliches Gespräch.

Für alle, die sich für ein Studium in den USA interessieren, lohnt sich ein Besuch der Study World in diesem Jahr besonders, denn „Education USA“ (der Beratungsdienst des US-Außenministeriums) tourt derzeit mit mehr als einem Dutzend US-Hochschulen durch Deutschland und hat auf der Messe einen eigenen Pavillon, in dem sich alle Unis vorstellen. Abgesehen von der New York University, der University of Southern California und der UC Irvine sind zwar keine ganz großen Namen dabei, aber gerade bei den nicht so bekannten Adressen gibt es oft viel zu entdecken – und die Zulassungschancen sind bedeutend besser. Folgende US-Hochschulen sind vertreten:

  • Arizona State University
  • Berkeley College (New York)
  • California Polytechnic State University
  • California State – San Jose State University
  • California State University, East Bay
  • Fairleigh Dickinson University (New Jersey)
  • Foothill-DeAnza Community College (Kalifornien)
  • New York University Abu Dhabi
  • Portland State University
  • Richmond The American International University in London
  • Santa Barbara City College
  • Schiller International University (Heidelberg)
  • Truman State University (Missouri)
  • University of California, Irvine
  • University of North Carolina Wilmington
  • University of Southern California – Viterbi School of Engineerung

Wer es nicht zur Study World nach Berlin schafft, kann diese und einige weitere Hochschulen auch noch in Heidelberg (20. April) und Hamburg (25. April) persönlich kennenlernen. Näheres hier.

Ach so, und nicht zu vergessen: Ich selbst bin auch wieder mit zwei Vorträgen dabei:

  • Freitag, 22. April, 13:00-13:45 Uhr: Das „personal statement“ – Überzeugende Motivationsschreiben für die Bewerbung an englischsprachigen Hochschulen verfassen
  • Samstag, 23. April, 14:00-14:45 Uhr: Studieren in den USA: Sprach- und Eignungstests für die Bewerbung an amerikanischen Hochschulen

Vielleicht sieht man sich!

Foto (c) ICWE GmbH

Shoppen im Großmarkt: Beispiel für einen erfolgreichen Ivy League-Essay

Alle Jahre wieder im April kursieren in den Medien Berichte über US-Schülerinnen und Schüler, denen das Kunststück gelungen ist, an allen acht — oder zumindest mehreren — Ivy League-Universitäten gleichzeitig angenommen zu werden. Weitaus seltener kommt es hingegen vor, dass diese Überflieger Teile ihrer erfolgreichen Bewerbung der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Schülerin Brittany Stinson aus Delaware wurde dieses Jahr an immerhin fünf Ivy League Unis genommen (Yale, Columbia, University of Pennsylvania, Dartmouth und Cornell, außerdem an der Stanford University) und hat dem Wirtschafts- und Finanzportal Business Insider kürzlich erlaubt, ihren Bewerbungsessay zu veröffentlichen (Text weiter unten).

Dieser „Personal Essay“ ist Teil jeder Bachelor-Bewerbung an Hunderten von US-Hochschulen und bereitet fast allen Bewerbern Kopfzerbrechen. Denn in diesem maximal 650 Wörter langen Text soll nicht etwa begründet werden, warum man dieses oder jenes Fach studieren möchte, sondern es soll auf eloquente und originelle Weise die eigene Persönlichkeit zum Ausdruck kommen. Allein die Themenfindung ist oft ein langwieriger Prozess – das kenne ich aus der Arbeit mit den Schülern, die ich in meiner Studienberatung betreue. Viele neigen zunächst dazu, über die eigenen Erfolge z.B. im Sport zu schreiben oder über ihre Besorgnis um die demokratischen Werte angesichts zunehmender Abschottung und Fremdenfeindlichkeit in Europa. Brittany Stinson zeigt, dass die besten Essays oft nicht so hochtrabende Themen behandeln, sondern eher von Alltäglichem ausgehen: in ihrem Fall die regelmäßigen Einkaufstouren der Familie zu Costco, einer amerikanischen SB-Großhandelskette.

Show not tell: Was einen guten College-Bewerbungsessay ausmacht

Natürlich ist dieses vermeintlich banale Thema nur der Aufhänger für höchst komplexe Überlegungen zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung, die auch noch mitreißend und auf hohem sprachlichen Niveau präsentiert werden. Dass der Essay so gut funktioniert, liegt vor allem daran, dass Brittany eine Geschichte erzählt und mit einer anschaulichen Anekdote gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit der Leser gewinnt. Sie hält sich durchweg an das erzählerische Prinzip des „show not tell“ – das heißt, sie zeigt sich selbst in Aktion anstatt sich nur mit Adjektiven zu beschreiben. Dadurch wird der Essay lebendig. Ein so alltägliches Thema wie Costco und Hot Dogs macht sie zu einer Metapher für das große Ganze, ohne dass es angestrengt wirkt. Der leichte, spielerische und humorvolle Tonfall des Essays passt perfekt zu einem Teenager und wirkt viel authentischer, als wenn ein 17-jähriger zum Beispiel behauptet, täglich Kants kategorischen Imperativ zur Grundlage seines Handelns zu machen. Man kommt beim Lesen nicht umhin, Brittany zu mögen. Und das ist ein extrem wichtiges Element in einem erfolgreichen Bewerbungsessay. Und schließlich konzentriert sich der Text auf einen zentralen Aspekt: Brittanys Neugierde. Oft kranken Bewerbungsessays daran, dass die Schüler versuchen, zu viele Aspekte ihrer Persönlichkeit gleichzeitig unterzubringen, wodurch die Texte oberflächlich oder schlimmstenfalls konfus wirken.

Genug der Vorrede, hier nun der vollständige Text samt Fragestellung (via Business Insider). Wichtig ist noch der Hinweis, dass der Personal Essay nur ein Teil der College-Bewerbung ist. Natürlich hat Brittany auch mit Bestnoten, Top-Ergebnissen in den Eignungstests und beeindruckendem außerunterrichtlichem Engagement gepunktet. An den US-Eliteuniversitäten kann der Essay dann den entscheidenden Ausschlag geben, wenn Top-Bewerber ansonsten ähnliche Qualifikationen aufweisen.

Prompt 1: Some students have a background, identity, interest, or talent that is so meaningful they believe their application would be incomplete without it. If this sounds like you, then please share your story.

Managing to break free from my mother’s grasp, I charged. With arms flailing and chubby legs fluttering beneath me, I was the ferocious two­ year old rampaging through Costco on a Saturday morning. My mother’s eyes widened in horror as I jettisoned my churro; the cinnamon­sugar rocket gracefully sliced its way through the air while I continued my spree. I sprinted through the aisles, looking up in awe at the massive bulk products that towered over me. Overcome with wonder, I wanted to touch and taste, to stick my head into industrial­sized freezers, to explore every crevice. I was a conquistador, but rather than searching the land for El Dorado, I scoured aisles for free samples. Before inevitably being whisked away into a shopping cart, I scaled a mountain of plush toys and surveyed the expanse that lay before me: the kingdom of Costco. 

Notorious for its oversized portions and dollar­fifty hot dog combo, Costco is the apex of consumerism. From the days spent being toted around in a shopping cart to when I was finally tall enough to reach lofty sample trays, Costco has endured a steady presence throughout my life. As a veteran Costco shopper, I navigate the aisles of foodstuffs, thrusting the majority of my weight upon a generously filled shopping cart whose enormity juxtaposes my small frame. Over time, I’ve developed a habit of observing fellow patrons tote their carts piled with frozen burritos, cheese puffs, tubs of ice cream, and weight­loss supplements. Perusing the aisles gave me time to ponder. Who needs three pounds of sour cream? Was cultured yogurt any more well­mannered than its uncultured counterpart? Costco gave birth to my unfettered curiosity. 

While enjoying an obligatory hot dog, I did not find myself thinking about the ‘all beef’ goodness that Costco boasted. I instead considered finitudes and infinitudes, unimagined uses for tubs of sour cream, the projectile motion of said tub when launched from an eighty foot shelf or maybe when pushed from a speedy cart by a scrawny seventeen year old. I contemplated the philosophical: If there exists a thirty­three ounce jar of Nutella, do we really have free will? I experienced a harsh physics lesson while observing a shopper who had no evident familiarity of inertia’s workings. With a cart filled to overflowing, she made her way towards the sloped exit, continuing to push and push while steadily losing control until the cart escaped her and went crashing into a concrete column, 52” plasma screen TV and all. Purchasing the yuletide hickory smoked ham inevitably led to a conversation between my father and me about Andrew Jackson’s controversiality. There was no questioning Old Hickory’s dedication; he was steadfast in his beliefs and pursuits – qualities I am compelled to admire, yet his morals were crooked. We both found the ham to be more likeable – and tender.

I adopted my exploratory skills, fine tuned by Costco, towards my intellectual endeavors. Just as I sampled buffalo­chicken dip or chocolate truffles, I probed the realms of history, dance and biology, all in pursuit of the ideal cart–one overflowing with theoretical situations and notions both silly and serious. I sampled calculus, cross­country running, scientific research, all of which are now household favorites. With cart in hand, I do what scares me; I absorb the warehouse that is the world. Whether it be through attempting aerial yoga, learning how to chart blackbody radiation using astronomical software, or dancing in front of hundreds of people, I am compelled to try any activity that interests me in the slightest. 

My intense desire to know, to explore beyond the bounds of rational thought; this is what defines me. Costco fuels my insatiability and cultivates curiosity within me at a cellular level. Encoded to immerse myself in the unknown, I find it difficult to complacently accept the “what”; I want to hunt for the “whys” and dissect the “hows”. In essence, I subsist on discovery.