Statt TOEFL: Immer mehr US-Unis akzeptieren Duolingo Englischtest

Zahlreiche Colleges und Universitäten in den USA akzeptieren inzwischen den Duolingo Englischtest als vollwertige Alternative zu den gängigen Sprachprüfungen TOEFL und IELTS. Das ist eine gute Nachricht für alle, die nicht in der Nähe eines offiziellen Testzentrums wohnen, wenig Geld zur Verfügung haben oder binnen 48 Stunden einen gültigen Englischnachweis benötigen. Die Firma Duolingo, die vor allem für ihre Sprachlern-App bekannt ist, mit der Millionen Menschen auf der Welt kostenlos und spielerisch Fremdsprachen lernen, hat kürzlich eine aktualisierte Liste von Hochschulen veröffentlicht, die den Duolingo Englischtest entweder ergänzend oder sogar komplett als Englischnachweis für die Zulassung zum Bachelorstudium akzeptieren. Für die USA finden sich darunter so illustre Namen wie Columbia University, Yale University, Duke University, Georgia Institute of Technology, Johns Hopkins University, Washington University St. Louis, Swarthmore College, University of Vermont oder die Rhode Island School of Design.

Was ist der Duolingo Englischtest?

Der Duolingo Englischtest ist eine rund 45-minütige Prüfung, die man bequem vom heimischen Computer aus absolvieren kann. Nötig sind allein eine stabile und einigermaßen schnelle Internetverbindung, ein Mikrofon und eine Webcam. Außerdem muss man sich allein in einem gut beleuchteten, ruhigen Raum befinden und darf natürlich keine Hilfsmittel benutzen – wozu auch die Notwendigkeit gehört, den Blick ständig auf den Bildschirm zu richten, um nicht in Verdacht zu geraten, von irgendeinem Zettel auf dem Schreibtisch etwas abzulesen. Der Test selbst besteht aus verschiedenen Aufgaben zum Lese- und Hörverständnis. Außerdem müssen schriftliche und mündliche Antworten formuliert werden, wobei die mündlichen Aussagen von der Webcam aufgezeichnet und auch in dieser Form (also inkl. Video) an die Unis übermittelt werden.

Der Clou dabei ist, dass die Antworten anhand von komplexen Algorithmen maschinell ausgewertet werden und das Testergebnis (0 bis 100 Punkte) somit sehr schnell, innerhalb von 48 Stunden, zur Verfügung steht und an die Universitäten übermittelt werden kann. Für die Unis hat das den Vorteil, dass sie nicht nur einen abstrakten numerischen Score erhalten, sondern die Möglichkeit haben, Bewerbern beim Sprechen zuzusehen und somit auch einen kleinen Eindruck von der Persönlichkeit zu bekommen. Für die Bewerber besteht der Vorteil darin, dass sie ihre Englischkenntnisse unabhängig von den festen Terminen und Testzentren für TOEFL oder IELTS nachweisen können. Und Geld spart man auch noch, denn statt mehr als 200 Euro für TOEFL oder IELTS betragen die Kosten für den Duolingo Englischtest lediglich 49 US-Dollar. Für diese Gebühr darf man sein Ergebnis anschließend sogar an eine unbegrenzte Anzahl von Hochschulen verschicken.

Was vor Jahren noch für erhebliche Skepsis sorgte – ich erinnere mich an die Reaktionen vieler Unis, als der Test erstmals auf internationalen Konferenzen vorgestellt wurde – beginnt sich immer mehr durchzusetzen. Nicht nur weil die Technik stetig weiter verfeinert wird, sondern auch, weil den US-Unis daran gelegen sein muss, die erheblichen Kosten, die bereits im Vorfeld einer Bewerbung entstehen – unter anderem für die diversen Sprach- und Eignungstests – zu reduzieren und auch Menschen in Weltregionen ohne Zugang zu Testzentren eine Bewerbung zu ermöglichen.

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In New York studieren: Colleges und Universitäten jenseits von Manhattan

Die Aussicht ist spektakulär. New York in voller Pracht. Kilometerweit geht der Blick; wie von einem Flugzeug aus betrachtet entfaltet sich das atemberaubende Panorama. Doch dies ist kein Wolkenkratzer in Manhattan, und zu sehen ist nicht das hektische Treiben der Stadt, die niemals schläft. Stattdessen sanfte, satt-grüne Hügel, soweit das Auge reicht. Dazwischen der Cayuga Lake, blau und klar wie ein schwedischer Bergsee und umgeben von dichten Wäldern, turmhohen Wasserfällen und zahlreichen Schluchten.

Wir sind in der Finger-Lakes-Region im US-Staat New York, rund 250 Kilometer nördlich von New York City, im 14. Stock des East Tower, einem Wohnheim auf dem Campus des Ithaca College. Hier oben in der TC Lounge gibt es Wraps mit Hummus und Taboulé, fair gehandelten Kaffee und Kakao, gemütliche Sessel zum konzentrierten Arbeiten und jeden Mittwochabend die Open Mike Night für Campus-Künstler. Im Hintergrund leuchten dazu die Lichter von Ithaca, einem Studentenstädtchen par excellence, voller Cafés, Kneipen, Restaurants, Bioläden, Museen und kultureller Aktivitäten. Mit einer Gruppe von Studienberatern bin ich eine Woche lang in New York unterwegs, um mir ein persönliches Bild von den Hochschulen im „Empire State“ zu machen.

Dass hier trotz der ländlichen Umgebung nicht der Hund begraben ist, hat seinen Grund. Denn Ithaca ist nicht nur die Heimat des mit 7.000 Studierenden relativ kleinen Ithaca College, sondern auch Standort der weltberühmten Cornell University. Während die Ivy-League-Hochschule ihren Ruf hauptsächlich ihren exzellenten Forschungsleistungen verdankt, punktet Ithaca College mit einer hervorragenden Bachelorausbildung, zum Beispiel im Bereich Publizistik und Kommunikationswissenschaft. So wird die wohl beste Studentenzeitung der USA nicht an Harvard oder Stanford gemacht, sondern hier: The Ithacan, mehrfach preisgekrönt und Sprungbrett für zahlreiche Karrieren in den US-Medien.

Klein aber fein: Liberal Arts Colleges

„Upstate New York“, wie die Amerikaner das Gebiet nördlich von New York City nennen, ist reich an erstklassigen Hochschulen. Da sind zum einen die vielen „Liberal Arts Colleges“: zumeist kleine, private Hochschulen, die sich ganz auf die Bachelorausbildung konzentrieren und dabei einen breiten interdisziplinären Ansatz verfolgen, der die umfassende Förderung des Wissens in den Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften zum Ziel hat. Sie bieten ein anspruchsvolles Studium, kleine Kursgrößen, engagierte Professoren, traumhafte Betreuungsverhältnisse und eine intensive Lern- und Lebensgemeinschaft auf dem Campus. Oft liegen sie allerdings auch ziemlich weit ab vom Schuss.

Colgate UniversityParadebeispiele für diesen Hochschultyp sind das Hamilton College (ca. 1.900 Studierende) in Clinton, New York, und nur eine halbe Stunde entfernt die Colgate University (ca. 2.800 Studierende, Foto links), verwirrenderweise in einem Örtchen namens Hamilton gelegen und trotz der Bezeichnung „Universität“ ein mustergültiges Liberal Arts College (und ja, benannt nach dem Zahnpasta-Mogul William Colgate). Beide Hochschulen beeindrucken mit einem Bilderbuch-Campus aus braun-grauem Sandstein, sind anmutig auf Hügeln gelegen und umgeben von sattem Grün. Fast alle Studierenden und Professoren leben auf dem Hochschulgelände oder in der unmittelbaren Umgebung. Dadurch entsteht eine enge Gemeinschaft, die nach dem Studium ihre Fortsetzung in starken Ehemaligen-Netzwerken findet.

Vom Fächerangebot her praktizieren beide Hochschulen die Liberal Arts-Philosophie in Reinform. Berufsorientierte Fächer wie BWL, Jura oder Ingenieurwesen sucht man vergebens; stattdessen können die Studierenden frei aus der Palette der Geistes, Sozial- und Naturwissenschaften wählen, verschiedene Richtungen ausprobieren und Kurse flexibel kombinieren. An Hamilton wurden vor ein paar Jahren sogar alle Pflichtkurse abgeschafft; mit dem „open curriculum“ können sich die Studierenden nun querbeet, ganz nach ihren individuellen Interessen und interdisziplinär bilden. Studieren in der Provinz bedeutet folglich nicht Provinzialität im Denken: „Wir sind hier an diesem wunderschönen Ort“, sagt Douglas Hicks, der an Colgate die Zulassung zum Bachelorstudium leitet, „aber wir sind uns der Welt um uns herum sehr bewusst.“ Rund zwei Drittel der Colgate-Studierenden verbringen einen Teil ihres Studiums im Ausland. Ein Spitzenwert, nicht nur für US-Verhältnisse.

Studiengänge für Querdenker und Individualisten

UnionDennoch: Das Studium in ländlicher Isolation ist nicht jedermanns Sache. Wer etwas mehr Abwechslung möchte, ohne auf die Liberal Arts-Erfahrung verzichten zu müssen, wird vielleicht am Union College in Schenectady unweit der Landeshauptstadt Albany fündig. Union unterscheidet sich insofern von den meisten anderen Liberal Arts Colleges, als man hier auch Maschinenbau, Elektrotechnik oder Technische Informatik studieren kann. So ergeben sich ungewöhnliche und in Deutschland undenkbare Fächerkombinationen wie Physik und Musik. Blickfang auf dem 1813 vom französischen Landschaftsarchitekten Joseph Jacques Ramée gestalteten Campus ist das denkmalgeschützte, 16-seitige Nott Memorial (Foto), das heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt wird.

Eine weitere attraktive Option für kreativ-künstlerisch veranlagte Köpfe mit unkonventionellen Ideen ist das Skidmore College in Saratoga Springs, einem historischen Kurort mit berühmter Pferderennbahn, dessen Einwohnerzahl sich während der Rennsaison verdreifacht – geballtes Nachtleben inklusive. Auch Skidmore bietet Fächer, die sich an Hochschulen dieser Art sonst eher selten finden, darunter BWL, Erziehungswissenschaft oder Soziale Arbeit. Aber auch die Naturwissenschaften und die Künste sind stark vertreten: Mit dem Arthur Zankel Music Center verfügt die Hochschule über einen brandneuen Konzertsaal, dessen fantastische Akustik das Herz jedes Musikliebhabers höher schlagen lässt.

Universitäten und technische Hochschulen

Rensselaer Polytechnic InstituteBrillante Klänge sind auch am Rensselaer Polytechnic Institute (RPI) zu hören, einer der führenden technischen Universitäten der USA. Das Gebäude des neuen „Experimental Media and Performing Arts Center“ passt sich automatisch der musikalischen Darbietung und den verwendeten Instrumenten an – ein Meisterstück der Ingenieurskunst. Die ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengänge sind denn auch das Hauptzugpferd dieser mittelgroßen Hochschule in Troy (nahe Albany). Aber auch die Wirtschaftswissenschaften sind mit der Lally School of Business stark vertreten. Viele RPI-Studierende kombinieren ihre Ingenieursausbildung mit Kursen aus der BWL und machen so faktisch einen Abschluss in Wirtschaftsingenieurwesen – ein Studienfach, das es in der Form in den USA nicht gibt.

Auch Rochester, die drittgrößte Stadt New Yorks, kann mit einer hervorragenden technischen Universität aufwarten: Das Rochester Institute of Technology (RIT) ist mit rund 18.000 Studierenden mehr als doppelt so groß wie das RPI und auch als „the city of brick“ bekannt, denn der gesamte weitläufige Campus ist aus rund 15 Millionen, eigens dafür hergestellten Ziegeln erbaut. Neben seiner modernen technischen Ausstattung besticht das RIT vor allem durch ein praxisnahes Bachelorstudium: Wie kaum eine andere US-Universität vermittelt RIT den Studierenden jährlich Tausende an größtenteils bezahlten Praktika, die auf das Studium angerechnet werden.

EastmanEbenfalls in Rochester zuhause: die University of Rochester, eine große private Forschungs-universität mit rund 10.000 Studierenden. Genau wie am Hamilton College wurden hier vor einigen Jahren alle Pflichtveranstaltungen im Bachelorstudium abgeschafft. Die Uni ist somit besonders attraktiv für eigenständige Studierende, die von intellektueller Neugier getrieben sind und sich für mehrere Fächer gleich stark interessieren. „Bei uns kann man ein Fach für sich selber und eins für die Eltern studieren“,  scherzt Jonathan Burdick, der an der University of Rochester die Zulassung zum Bachelorstudium leitet. Ein weiteres Juwel der Hochschule ist die Eastman School of Music (Foto), eines der besten Konservatorien der USA.

Flexibilität und Wahlmöglichkeiten bestimmen auch das Bachelorstudium an der Syracuse University in der gleichnamigen Stadt mitten im Staat New York. „Die Studierenden wechseln in den ersten Jahren oft mehrfach zwischen den verschiedenen Fakultäten hin und her, bevor sie sich auf ein oder zwei Hauptfächer festlegen“, erzählt Karen Bass, die für die Zulassung ausländischer Bewerber zuständig ist. Ihre besonderen Stärken hat die Universität unter anderem in der BWL (insbesondere im Bereich Entrepreneurship), der Publizistik und der Informationswissenschaft: Wer sich für Informationsmanagement, digitale Kommunikation und das Web 2.0 interessiert, findet mit der iSchool in Syracuse eine der weltweit besten Adressen.

Stipendien für ausländische Studierende

StudienfinanzierungAbiturienten aus Deutschland mit ordentlichen Noten haben gute Zulassungschancen bei allen genannten Hochschulen. Ein größere Schwierigkeit dürfte die Finanzierung darstellen, denn mit Studienkosten von rund 60.000 Dollar pro Jahr ist ein Bachelorstudium in Upstate New York – und in den USA allgemein – für die wenigsten bezahlbar.  Fast alle genannten Hochschulen bieten jedoch Stipendien und finanzielle Unterstützung an. Insbesondere die kleinen Liberal Arts Colleges vergeben im Falle einer erfolgreichen Zulassung Stipendien, die die Differenz zwischen dem, was das Studium kostet und was man aus eigener Tasche bezahlen kann, abdecken. Das kann bis hin zum Vollstipendium reichen. Allerdings ist klar, dass dafür neben sehr guten Schulnoten auch Top-Ergebnisse bei den Zulassungstests, überzeugende Empfehlungsschreiben von Lehrern und ein insgesamt attraktives Bewerbungsprofil nötig sind.

Zurück in der Finger-Lakes-Region sind wir inzwischen in Geneva (zu deutsch: Genf) angekommen, aber vor uns liegt nicht der Genfer See, sondern Seneca Lake, der größte der Finger Lakes. Direkt am Ufer liegt das kleine Hobart & William Smith College – eigentlich zwei Colleges in einem (Hobart für die Männer, William Smith für die Frauen), die sich aber bis auf ein paar Verwaltungsfunktionen alles teilen. Die Geschlechter lernen und leben gemeinsam. Auch hier wird interdisziplinäres Lernen und eine breite Bildung großgeschrieben. Statt ein vorgegebenes Kursprogramm zu absolvieren, wählen die Studierenden individuell ihre Kurse so, dass sie am Ende insgesamt acht allgemeine Lernziele erreichen, darunter die Entwicklung effektiver Kommunikationskompetenzen. Außerdem findet sich auf dem hübschen, aber unspektakulären Campus wider Erwarten auch eine der besten Architekturfakultäten der USA.

New York steckt eben voller Überraschungen, auch nördlich von Manhattan.

Dieser Artikel erschien zuerst im Oktober 2013 auf der Go out!-Webseite des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Alle Fotos: (c) Carsten Bösel

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Alles beim Alten: Die neuen Uni-Rankings aus den USA sind da

Wer wissen will, welches die besten Universitäten der USA sind, schaut in die Rankings der Zeitschrift US News & World Report (USNWR). Jedes Jahr im Spätsommer erscheint eine neue Ausgabe der populären und einflussreichen „Best Colleges“-Ranglisten. Gestern war es wieder soweit.

Viel Neues gibt es allerdings nicht zu berichten, denn der neue Spitzenreiter bei den Universitäten ist auch der alte: Princeton University, zum dritten Mal in Folge auf Platz 1, gefolgt von Harvard, Yale, Columbia und Stanford. Auch in der Kategorie „Liberal Arts Colleges“ – das sind kleinere, sehr selektive Hochschulen, die sich auf die Bachelorausbildung konzentrieren – gab es kaum Bewegung: Diese Liste wird nun schon seit 13 Jahren vom Williams College angeführt, dahinter rangieren Amherst, Swarthmore, Bowdoin und Middlebury. Wie schön, dass sich die komplexe und unübersichtliche US-Hochschullandschaft in eine klare Hackordnung einteilen lässt, die noch dazu immer wieder bestätigt, was wir sowieso schon wussten: Die einschlägigen privaten Eliteuniversitäten sind die besten.

Oder?

Wer die Rankings zu Rate zieht, sollte sich wenigstens auch mit den Kriterien beschäftigen, aus denen sie errechnet werden. Zunächst muss man wissen, dass es hier ausschließlich um das Bachelorstudium geht, denn es handelt sich um die „Best Colleges“. Die Forschungsleistung einer Uni oder das Masterstudium spielen für das USNWR-Ranking überhaupt keine Rolle. Außerdem sucht man auch vergeblich nach einer Bewertung einzelner Studienfächer, wie es bei uns üblich ist. Gerankt wird die Hochschule als Ganzes; nur für die Fächer BWL und Ingenieurswesen hat USNWR separate Ranglisten. Es werden also Einrichtungen mit den unterschiedlichsten Profilen, Aufgaben und finanziellen Möglichkeiten in einen Topf geworfen. Manche finden das zu Recht fragwürdig.

Kritik an den Uni-Rankings

Auch sonst gibt es in US-Hochschulkreisen seit Jahren viel Kritik an den Rankings. Wichtigstes Kriterium mit 25 Prozent ist nämlich die Reputation. Da werden also zig Hochschulpräsidenten und Dekane gefragt, welche Institutionen nach ihrer subjektiven Meinung die besten sind. Wie viele Universitäten außer der eigenen kann man gut genug kennen, um sich ein fundiertes Urteil erlauben zu können? Eine Handvoll vielleicht. Beim Rest geht man nach der Reputation. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Wer oben ist, bleibt oben. Die Studienerfolgsquote trägt weitere 20 Prozent zum Ergebnis bei, ebenso wie bestimmte Merkmale der Professorenschaft (Qualifikation, Verdienst) und Betreuungsverhältnisse. 15 Prozent zählt die Selektivität in der Studentenauswahl. Nach dieser Logik ist die Hochschule am besten, die die meisten Bewerber ablehnen kann. 10 Prozent zählen die finanziellen Ressourcen sowie jeweils 5 Prozent die Spendenbereitschaft der Absolventen und Studienerfolgsquoten.

Mit anderen Worten: Die Kriterien sind sehr stark auf reiche, renommierte Privatuniversitäten zugeschnitten, und deshalb verwundert es auch nicht, dass sie es sind, die diese Ranglisten dominieren. Selbst ein vermeintliches objektives Kriterium wie die Studienerfolgsquote („Wie viel Prozent der Studierenden schließen ihr Studium nach spätestens 6 Jahren ab?“) ist trügerisch, denn natürlich können die überwiegend aus wohlhabenden Familien stammenden Studierenden an privaten Hochschulen sich ganz auf das Studium konzentrieren und es pünktlich abschließen, während Studierende an staatlichen Unis oft nebenbei jobben müssen, um über die Runden zu kommen. Das verzögert häufig das Studium, aber nicht unbedingt, weil die staatlichen Unis ihre Studierenden schlecht begleiten, sondern weil die soziale Mischung dort eine ganz andere ist.

Überhaupt fällt auf, dass die USNWR-Rankings fast nur Inputs messen, aber keine Outcomes – auch wenn es neuerdings eine „greater consideration of output measurements“ gibt, wie Ranking-Chef Robert Morse zu Protokoll gibt. Was die Studierenden eigentlich genau an den einzelnen Hochschulen lernen, welche Kompetenzen sie erwerben, wie der Einstieg in den Arbeitsmarkt klappt, wie hoch sie hinterher verschuldet sind – das alles wird nach wie vor nicht berücksichtigt. Zugespitzt gesagt ist dieses College-Ranking wie ein Restaurantführer, der behauptet, die besten Restaurants sind diejenigen, die den besten Ruf haben, die besten Zutaten verwenden und ihren Köchen das höchste Gehalt zahlen. Welche Rezepte verwendet werden und wie das Essen schmeckt, spielt keine Rolle.

Die Rankings als Startpunkt für die Recherche

Diese Kritikpunkte ändern freilich nichts daran, dass die USNWR-Rankings seit ihrem ersten Erscheinen 1985 die amerikanische Hochschulwelt radikal verändert und einen Wettbewerb in Gang gesetzt haben, bei dem kein Ende abzusehen ist. Keine Hochschule kann es sich heute leisten, sie zu ignorieren. Präsidenten sehen sich immer stärker unter Druck gesetzt, das Ranking ihrer Einrichtung aufzupolieren. Mit viel Geld, langem Atem und notfalls auch mit unerlaubten Tricks lässt sich daran auch durchaus etwas drehen. Zum Beispiel versucht inzwischen fast jede US-Hochschule, ihrer Bewerberzahlen nach oben zu katapultieren, damit anschließend mehr Bewerber abgelehnt werden können, denn das ist gut fürs Ranking. Auch Scheinspenden und frisierte Testergebnisse sind keine Seltenheit mehr.

Was heißt das nun alles für Schüler und Familien, die auf der Suche nach passenden Colleges und Universitäten in den USA sind? Ganz einfach: Nichts spricht dagegen, die Rankings als erste Orientierung zu konsultieren. Denn über eines geben sie tatsächlich sehr zuverlässig Auskunft, nämlich über die aktuelle Reputation einer Hochschule. Viel mehr aber auch nicht. Für eine kluge Auswahl kann das aber nur der Anfang sein. Andere Kriterien wie Fächerangebot, Curriculum, Forschungsschwerpunkte, Internationalität, Größe und Lage oder finanzielle Fördermöglichkeiten für Ausländer sind weitaus wichtiger, um ein gutes „match“ zu finden und somit die Bewerbungschancen zu erhöhen. Und dafür braucht es eine ausführliche Recherche.

Oder einen guten Studienberater.